Politik : Die Vogelgrippe kommt näher

Virus in Rumänien nachgewiesen / Schmidt: Gefahr gering / Bayern fordert bundesweite Impfstrategie

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Berlin Das gefährliche Vogelgrippevirus H5N1 rückt immer näher: Am Samstag wurde es für Rumänien nachgewiesen, zwei Tage nachdem es in der Türkei entdeckt wurde. Das habe ein Virustest im britischen EU-Referenzlabor bestätigt, teilte Rumäniens Landwirtschaftsminister Gheorghe Flutur am Samstag mit. Dort waren am Freitag die Proben von verendeten Hausenten aus dem Dorf Ceamurlia de Jos im Süden des Donaudeltas untersucht worden. Das Virus H5N1 ist im Gegensatz zu anderen Vogelgrippe-Erregern auch für Menschen bedrohlich. In der Hauptstadt Bukarest beriet ein Krisenstab über weitere Maßnahmen. In Deutschland besteht wegen der Vogelgrippe nach den Worten von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) kein Grund zur Panik. „Wer in der Türkei oder Rumänien ist, soll Geflügelmärkte meiden, kein rohes Fleisch essen und Tiere vor allem nicht nach Deutschland einführen. Dann ist die Gefahr sehr gering“, sagte sie der „Neuen Presse“

Angesichts der drohenden Vogelgrippe hat Bayern den Bund aufgefordert, eine Bundesimpfstrategie vorzubereiten und dafür auch die Kosten zu übernehmen. „Die Produktionskapazitäten für Impfstoffe in Deutschland müssen erweitert werden“, forderte der bayerische Verbraucherschutzminister Werner Schnappauf (CSU). Nur dann könnten im Falle einer Epidemie schnell genug genügend Impfstoffe bereitgestellt werden, sagte er dem Tagesspiegel am Sonntag. Bayern führt derzeit den Vorsitz in der Gesundheitsministerkonferenz der Länder.

Zudem mahnte der Verbraucherminister, die Zuständigkeiten für globale Infektionen eindeutig zu regeln. „Es muss klar sein, wer bei globalen Infektionen zuständig ist und wer für die Kosten aufkommt“, sagte er. Noch liege das im Ermessensspielraum von Bund und Ländern. „Das muss in der großen Koalition auf die Tagesordnung“, forderte Schnappauf.

In den vergangenen Monaten hatten die Länder in Zusammenhang mit der Vogelgrippe insgesamt 94,5 Millionen Euro ausgegeben, um einen Vorrat an Grippemitteln anzulegen. Der Bund hatte eine Bevorratung abgelehnt, da er sich nicht ausdrücklich zuständig fühlte und sich auch an den Kosten nicht beteiligt.

Aus Furcht vor der Vogelgrippe wollen sich in Deutschland mehr Menschen als sonst gegen Grippe impfen lassen. Auf bis zu 21 Millionen schätze die Kassenärztliche Bundesvereinigung die Impfwilligen, berichtete die „Bild“ pet/dpa

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