Politik : Die Waffe gegen Killerspiele

Von Harald Martenstein

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Ich versuche, einfach mal die Wahrheit zu sagen. Die Wahrheit ist, dass es Gewalt und Mord immer gegeben hat, und dass diese Phänomene erst dann von der Erde verschwinden werden, wenn eines Tages der letzte Mensch seinen letzten Atemzug tut. Menschliches Zusammenleben ohne Gewalt wird es so wenig geben wie Autoverkehr ohne Unfälle, Liebe ohne Liebeskummer oder Fußball ohne Fouls. Selbstverständlich müssen wir gegen Mord und Gewalt tun, was wir können und was vernünftigerweise möglich ist, es wird trotzdem immer wieder passieren.

Entscheidend ist die Frage, ob Mord und Gewalt in einer Gesellschaft, verglichen mit anderen Gesellschaften, überdurchschnittlich oft vorkommen und ob die Zahlen der entsprechenden Delikte beginnen, auffällig zu steigen. Beides ist bei uns zum Glück nicht der Fall.

Deswegen rege ich mich auf, wenn in Emsdetten ein Schüler Amok läuft oder wenn in Kreuzberg Jugendliche auf die Polizei losgehen. Ich rege mich weniger über die Taten auf, die natürlich schlimm sind, aber die zu unserem Leben leider dazugehören wie Krankheit, Altern, Tod, wie all diese Zumutungen. Viel stärker rege ich mich über die Hysterie auf, die dann flächendeckend losbricht, so, als habe es dergleichen noch nie gegeben und als müsse man nur das Richtige tun, um dergleichen ein für alle Mal zu unterbinden. Mir scheint, als seien wir früher gelassener gewesen. Andererseits will ich die Vergangenheit nicht verklären. Manche sagen ja auch, dass es früher weniger Gewalt gab. Diese Leute möchte ich daran erinnern, dass die Zeit, in der in Deutschland am meisten gemordet und geprügelt wurde, die Zeit von 1933 bis 1945 war.

Wie gefährlich sind Killerspiele? Mag sein, dass Killerspiele halb gestörte Jugendliche in voll gestörte Jugendliche verwandeln. Aber warum spricht eigentlich fast niemand über den Waffenhandel? Warum wird die Debatte nicht darüber geführt, dass ein gestörter Jugendlicher sich relativ einfach im Internet eine Knarre besorgen kann? Ich glaube, es hängt mit dem Sexappeal des Wortes „Killerspiel“ zusammen. Diesem Sexappeal erliegen die Medien ebenso wie die gestörten Jugendlichen.

Auf „Zeit online“ hat ein Kollege recherchiert, dass kein einziger jugendlicher Amokläufer jemals eine Freundin hatte. Auch da gibt es also einen klaren statistischen Zusammenhang. Statt „Verbietet die Killerspiele!“ könnte man also, mit der gleichen Berechtigung, fordern: „Verschafft den Jungs Freundinnen!“ Und dies tue ich hiermit.

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