Die wahren Urheber der Doktorarbeit : "Das Plagiat ist die höchste Form des Kompliments"

Die Doktorarbeit des früheren Verteidigungsministers stammte zum größten Teil nicht aus seiner eigenen Feder. Die wahren Urheber gehen mit der Plagiatsaffäre sehr unterschiedlich um.

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1. März 2011: Karl-Theodor zu Guttenberg bei seinem Abgang aus dem Amt des Bundesverteidigungsministers. Die Universität Bayreuth wirft ihm Anfang Mai "vorsätzliches wissenschaftliches Fehlverhalten" vor. Er habe "die Standards guter wissenschaftlicher Praxis evident grob verletzt und hierbei vorsätzlich getäuscht."Weitere Bilder anzeigen
Foto: Reuters
06.05.2011 14:321. März 2011: Karl-Theodor zu Guttenberg bei seinem Abgang aus dem Amt des Bundesverteidigungsministers. Die Universität Bayreuth...

ROLAND VAUBEL
Alter: 63.
Akademischer Grad: Professor.
CDU/CSU-Wähler? Wechselwähler.
Name des „zitierten“ Werks: „Weshalb das Defizit an Demokratie bestehen bleibt“.
Art der Erscheinung: Artikel in der „Neuen Zürcher Zeitung“ vom 16. Februar 2003.
Stellenwert in Ihrem Gesamtwerk: Gering.

Was haben Sie für diesen Text geopfert? Drei Stunden.
Hatten Sie zum Zeitpunkt der Publikation eine Doppelbelastung? Nein.
Ich habe KTG nicht angezeigt, weil Studenten, die abschreiben, auch nicht verklagt werden.
Ihre Definition von Diebstahl: Entwendung von Eigentum ohne Anwendung von Gewalt.
Schon mal selbst jemanden im Stress falsch zitiert? Nicht, dass ich wüsste.
Ihr Verhältnis zum Adel? Amüsiert.
Frustrationsgrad: Persönlich gering, politisch hoch.
Nehmen Sie die Entschuldigung von zu Guttenberg an? Natürlich, das Plagiat ist die höchste Form des Kompliments.

KLARA OBERMÜLLER
Alter: 71.
Akademischer Grad: Dr. phil.
CDU/CSU-Wählerin? Nein.
Name des „zitierten“ Werks: Ein Leitartikel in der „NZZ am Sonntag“, erschienen 2003.
Stellenwert? Ein Artikel unter vielen.

Doppelbelastung? Die übliche als berufstätige Ehe- und Hausfrau.
Ich habe KTG nicht angezeigt, weil ich nicht noch mehr Zeit auf die Angelegenheit verschwenden wollte.

Schon mal selbst jemanden im Stress falsch zitiert? Ja, das eine oder andere Mal sicher, aber nie mit Absicht.

Ihr Verhältnis zum Adel? Adel ist für mich nicht nur mit Glamour, sondern auch mit einer besonderen historischen Verpflichtung verbunden und sollte im Idealfall sogar eine gewisse Vorbildfunktion ausüben.
Frustrationsgrad: Ich war weniger frustriert als enttäuscht. Vor allem über das Verhalten, nachdem der Betrug rausgekommen war.
Nehmen Sie die Entschuldigung von zu Guttenberg an? Seinen Formbrief an alle Geschädigten fand ich nicht sehr überzeugend. Eine persönlich vorgebrachte und ernst gemeinte Entschuldigung, die auch mit Einsicht und Schuldbewusstsein verbunden ist, würde ich jederzeit annehmen. Nach den jüngsten Äußerungen von KTG ist damit aber wohl nicht mehr zu rechnen.

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