Politik : Die Welt hilft Iran

Trotz politischer Spannungen beteiligt sich auch Amerika / Hoffnung auf Überlebende sinkt / Kritik an Behörden

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Bam/Berlin (dpa/Tsp). Nach dem verheerenden Erdbeben in Iran beteiligen sich Hilfskräfte aus aller Welt an den Rettungsarbeiten. Unter anderem aus der EU und den Vereinigten Staaten reisten hunderte von Helfern in das Krisengebiet. Allerdings schwindet die Hoffnung auf weitere Überlebende dramatisch, wie viele Menschen überhaupt gerettet werden konnten, ist unklar. Irans Innenminister bestätigte indes, dass bei dem Erdbeben am Freitag in der Region um die historische Stadt Bam rund 20 000 Menschen getötet worden sind. Das staatliche Fernsehen Irib kritisierte überraschend deutlich das Krisenmanagement der Behörden.

Nach Angaben des Fernsehsenders hätten die Menschen in Bam rund 24 Stunden auf organisierten Beistand warten müssen. Die Menschen in der Region selbst seien auch noch am Samstag mit der Betreuung höchst unzufrieden gewesen. Internationale Helfer suchten indes in einem verzweifelten Wettlauf mit der Zeit am Sonntag weiter nach Verschütteten. Die Hoffnung, noch Überlebende zu finden, schwand aber stündlich. Verschüttete könnten unter den Trümmern bis zu 72 Stunden überleben, erklärten Fachleute. Diese Frist läuft am Montagmorgen ab. Der iranische Innenminister Abdolwahed Musawi Lari sagte am Sonntag aber, die Suche werde weitergehen.

Das staatliche iranische Fernsehen hatte berichtet, dass rund1000 Menschen lebend aus den Haufen von Lehmziegel-Trümmern geholt worden seien. Derartige Erfolge konnten die deutschen Helfer nicht bestätigen. Bislang habe man nur Leichen finden können, obwohl es 36 „Lebendortungen“ gegeben habe, so der Sprecher des Technischen Hilfswerks, Nicolas Hefner. „Aber es geht auch darum, den Menschen Hoffnung zu geben.“ In Bam wurde unterdessen das Trinkwasser knapp, hungrige Einwohner plünderten die wenigen noch intakten Geschäfte.

Nach Rettungskräften aus Europa und den Nachbarländern Irans landeten am Sonntag vier amerikanische Militärmaschinen aus Kuwait in Kerman, rund 190 Kilometer nördlich von Bam. Ein US-Militärsprecher sagte, der herzliche Empfang habe alle Erwartungen übertroffen. Die USA unterhalten seit über 20 Jahren keine diplomatischen Beziehungen mehr zu Teheran.

In Berlin kam es am Wochenende zu Schwierigkeiten, als Helfer des Arbeiter-Samariter-Bundes über Wien nach Iran fliegen wollten. Die Fluglinie Air Berlin habe die hochsensiblen Suchhunde nicht in der Kabine, sondern nur im Frachtraum mitfliegen lassen wollen, sagte Detlef Kühn, Leiter der Berliner Hundestaffel, dem Tagesspiegel. Vier der Helfer blieben deshalb mit ihren Tieren zunächst in Deutschland.

Das UN-Büro zur Koordinierung humanitärer Hilfe in Genf teilte am Sonntag mit, jetzt sei vor allem materielle Unterstützung durch Spenden und Hilfslieferungen notwendig. Das Deutsche Rote Kreuz will am Montag zwei mobile Basis-Gesundheitsstationen ins Katastrophengebiet schicken, von denen jede 20 000 Menschen betreuen kann. Zusätzliche Hilfsgüter aus Deutschland sollten am Sonntag auch von der UN-Kinderhilfsorganisation Unicef nach Bam gebracht werden. Berlin stellte bisher 550 000 Euro Soforthilfe bereit, die EU stockte die Soforthilfe auf 2,3 Millionen Euro auf.

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