Politik : …die Welt wählt

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Abdel Monem Said Aly, Kolumnist der Kairoer Zeitung Al Ahram, hat dieser Tage den bemerkenswerten Gedanken gewälzt, ob es nicht vernünftig wäre, die USPräsidentschaftswahlen lieber nicht allein den Amerikanern zu überlassen. Viel besser wäre doch, es würde die ganze Menschheit wählen. Die Idee hat Charme. Und ein Argument findet sich auch: Schließlich, so der Leitartikler, hätten die USA doch praktisch Einfluss auf den ganzen Planeten.

Für den kommenden Dienstag wird das nix mehr, das ist zu knapp. Zeit genug also, sich heute dem Gedanken theoretisch zu nähern. Wen würde man wählen – es müsste dann ja nicht unbedingt Bush sein oder Kerry? Robert Redford wäre gut. Der sieht nett aus, ist sympathisch und wahrscheinlich ließe er, erst mal im Weißen Haus, auch den Iran in Ruhe. Oder den Irak, oder wie das da unten heißt. Leider hat sich Redford außenpolitisch nicht gerade das erworben, was Edmund Stoiber gerne als Kompetenz-Kompetenz bezeichnet. Im Gegenteil. Erinnert sei nur an Redfords Frage, nachdem ihm Paul Newman in dem legendären Film „Butch Cassidy and Sundance Kid“ eröffnet hat, wie es wäre, nach Australien zu flüchten: Australien, was ist denn das? Newman hat damals geantwortet: Das ist ein Land, du Dussel. Vielleicht wäre ja Newman der bessere Präsident. Wenn einem beispielsweise die US-Außenpolitik wichtig ist.

Wahrscheinlich wird es so weit aber nicht kommen, denn das weltweite Vorschlagswesen wird sich natürlich nicht auf US-Amerikaner beschränken. Es ist doch ziemlich wahrscheinlich, dass es, zum Beispiel, die Chinesen viel lieber sähen, einer der Ihren säße im Weißen Haus. Die Chancen stünden nicht schlecht. Es gibt sehr viele Chinesen. Oder die Inder. Es gibt auch unglaublich viele Inder. Ja, und dann gäbe es möglicherweise ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen einem Inder und einem Chinesen, und Liechtenstein wäre vielleicht ein „Swing-State“. Oder Bosnien-Herzegowina. Will man das diesen Ländern zumuten? Eigentlich nicht.

Viel schwerer würden auch Wahlempfehlungen, nicht nur für Hugo Müller-Vogg, der vertut sich ja schon, wenn er nur zwei zur Auswahl hat.

Wahrscheinlich aber würde sich die ganze Angelegenheit abspielen wie beim „European Song Contest“. Die Skandinavier halten zusammen, die Balten auch. Und Deutschland? Zero Points. Demokratisch ist das nicht, Herr Aly. Vbn

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