• Dietmar Bartsch wollte Parteichef Bisky beerben, doch nun macht ihm Petra Pau den Platz streitig

Politik : Dietmar Bartsch wollte Parteichef Bisky beerben, doch nun macht ihm Petra Pau den Platz streitig

Carsten Germis

PDS-Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch überlegte lange, bevor er seine Antwort formulierte. Lässt sich eine Kampfkandidatur um den PDS-Vorsitz vermeiden, wenn sich jetzt mehrere Reformer in der Partei sich um die Nachfolge von PDS-Chef Lothar Bisky bewerben? Zumindest werden mit Bartsch und der Berliner Landesvorsitzenden der PDS, Petra Pau, zwei Kandidaten in der engeren Wahl gehandelt. "Es ist vollkommen klar, dass wir uns da nicht auseinander dividieren lassen", erklärte Bartsch am Rande der Vorstandssitzung seiner Partei im Berliner Karl-Liebknecht-Haus am Dienstag. Das bedeute, "dass man sich auch zurücknehmen kann". Ein kurzes Lachen. "Kann?" Noch ein Lächeln, das etwas gequälter wirkt. "Zurücknehmen muss".

Im Augenblick sieht es so aus, als laufe diese Rolle, sich im parteiinternen Machtkampf zurücknehmen zu müssen, auf Bartsch selber zu. Es ist ein offenes Geheimnis in der PDS, dass der Bundesgeschäftsführer das Amt des Vorsitzenden mit Nachdruck angestrebt hat. In den Führungsgremien der Partei hat sich aber die Überzeugung durchgesetzt, dass eines der im Herbst neu zu besetzenden Führungsämter an eine Frau gehen soll. Da der Parlamentarische Geschäftsführer der PDS-Bundestagsfraktion, Roland Claus, als Nachfolger von Fraktionschef Gregor Gysi ab November so gut wie sicher feststeht, bliebe der Parteivorsitz für eine Frau. Gabriele Zimmer, die als Kandidatin gehandelte thüringische PDS-Fraktionschefin, hält sich bedeckt und wird ihren Hut wohl nicht in den Ring werfen. Bleibt also die Berliner PDS-Landesvorsitzende Petra Pau. Sie wird vermutlich als Kandidatin des Vorstands zum Wahlparteitag Mitte Oktober nach Cottbus reisen.

Für Bartsch bedeutet das, dass er sich überlegen muss, ob er auch unter einer Vorsitzenden Pau Bundesgeschäftsführer bleiben will. Bislang galt die Beziehung zwischen den beiden nicht gerade als harmonisch. Bartsch gilt als jemand, der im Konflikt zwischen Modernisierern und Traditionalisten in der Partei gern polarisiert. Pau, obgleich ebenfalls dem Lager der Reformer zugerechnet, wird mehr Fähigkeit zugetraut, die widerstreitenden Flügel der PDS zu integrieren. Dass beim Parteivorsitz alles auf Pau zuläuft, deutete Bartsch am Dienstag selber an, als er sagte, die Berücksichtigung von Frauen "sollte sich in den Spitzenämtern niederschlagen". Roland Claus und er seien sich einig, "dass man in dieser Richtung nachdrücklich nachdenken müsste".

Seinen offiziellen Vorschlag für die Bisky-Nachfolge wird der Parteivorstand der PDS erst am Montag nach der NRW-Wahl, also in knapp zwei Wochen, vorlegen. "Wir möchten keine Kampfkandidaturen", bekräftigte Bisky. Auch deswegen wird nicht damit gerechnet, dass Bartsch auf dem Parteitag gegen Pau antritt. In den kommenden Tagen würden "die Betroffenen untereinander beraten und nach einer gemeinsamen Lösung suchen", berichtete Bisky. Er bestätigte, dass die Namen Pau, Claus, Zimmer und Bartsch in den bisherigen Runden der Parteiführung "schon intensiver Gegenstand" der Diskussion gewesen seien.

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