Dietmar Schütz, Erneuerbare-Energie-Lobby : "Diese Chance müssen wir nutzen"

Natürlich will Dietmar Schütz nicht als Katastrophengewinnler dastehen. Trotzdem kann es dem Präsidenten des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE) nur recht sein, dass Bürger und Politiker hierzulande neu über Laufzeiten und Atomausstieg nachdenken.

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Dietmar Schütz
Dietmar SchützFoto: dpa

So traurig der Anlass sei – die Havarie des japanischen Atomkraftwerks Fukushima mache vielen klar, „dass erneuerbare Energien diese Gefahren nicht in sich tragen“, sagt Schütz dem Tagesspiegel.

Schütz, 67 Jahre alt, Niedersachse, in der SPD seit 1965, war MdB und von 2001 bis 2006 Oberbürgermeister von Oldenburg. Seit drei Jahren ist er Chef der Lobby für erneuerbare Energie. Er hat wenig Zeit in diesen Tagen, die Termine häufen sich. Man sei dabei, sagt Schütz, sich im Verband zu organisieren, Positionen zu schärfen, Themen zu forcieren. „Sofortprogramm“ nennt Schütz das. Schließlich seien gerade jetzt alle politischen Parteien offen für erneuerbare Energien. Schütz sagt: „Diese Chance müssen wir nutzen!“ Man soll das Eisen schmieden, solange es heiß ist.

Natürlich begrüßt Schütz, dass die Regierung Merkel sieben Alt-Atomkraftwerke vom Netz nehmen will. Aber ihm reicht das nicht. Auch für die restlichen deutschen Akw müsse ein „geregeltes Auslaufszenario“ her. „Der Kopf von Frau Merkel ist rund“, sagt Schütz, „ihre Gedanken können sich ändern.“ Die Laufzeitverlängerung müsse endgültig und offiziell zurückgenommen werden.

Schütz sagt, die Branche sei vorbereitet auf den Ausstieg. „Bis 2020 können die erneuerbaren Energien 47 Prozent der deutschen Stromversorgung sichern“, teilt sein Verband mit. „Damit würden sie einen Atomausstieg, wie er bis vor kurzem gesetzlich verankert war, vollständig kompensieren.“ Nötig sei eine Diskussion zwischen Energiebranche, Politik und Umweltverbänden über den Ausbau von Stromnetzen und Speicherkapazitäten, über das Zusammenschalten verschiedener erneuerbarer Energien zu „Kombikraftwerken“. Deutschland müsse hier eine Vorbildfunktion übernehmen, sagt Schütz.

Am Abend trifft er sich mit Vertretern des Bundes für Umwelt- und Naturschutz, „die sind ein wichtiger Ansprechpartner für uns“. In den folgenden Tagen stehen zudem Treffen mit den CDU- und FDP-Bundestagsfraktionen an, danach auch mit der Opposition. Die Termine seien schon „vor Japan“ angesetzt gewesen, sagt Schütz. Zur richtigen Zeit kommen sie trotzdem.

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