Politik : DIE UNNACHGIEBIGE

Aisha el Hajjami, Jura-Professorin

Die 61-jährige Professorin für Öffentliches Recht an den Universitäten Fes und Marrakesch hat sich durch ein Theologiestudium in eine Männerdomäne vorgewagt – um den Islam mit seinen eigenen Waffen zu schlagen. „In einem muslimischen Land kann man nicht Tabula rasa machen, man muss die wahren Werte des Islam herausstreichen“, beschreibt sie ihr Prinzip im Kampf für die Gleichstellung der Frauen. El Hajjami tut das, indem sie den Akzent auf den Geist der Texte und den Kontext setzt und alternative islamische Rechtsquellen zitiert. Das heißt in der Praxis: Beim Thema Scheidung hat sie anhand von Hadithen, Überlieferungen von Handlungen und Aussprüchen des Propheten, nachgewiesen, dass sich Frauen schon damals an einen Richter wenden konnten mit der Bitte um Scheidung. Damit hat el Hajjami argumentiert, als es darum ging, der Frau das Recht auf Scheidung zuzugestehen. Bis 2004 musste die Frau nachweisen, dass ihr Mann sie misshandelte. Bei der Abschaffung des männlichen Vormunds, der für Mädchen und Frauen traditionell die Einwilligung zur Ehe gab, berief el Hajjami sich auf ein anderes Hadith, das den Mann lediglich als einen Begleiter auswies und eine Heirat gegen den Willen der Frau verbot. Als Feministin will sie sich gern bezeichnen, aber nicht als islamische Feministin: „Ich arbeite eben in einer arabisch-islamischen Gesellschaft, das ist alles.“ Stolz ist sie, dass sie 2004 als eine der ersten Frauen vor ausschließlich männlichen Islamgelehrten aus aller Welt dozieren durfte, die der König traditionell während des Fastenmonats Ramadan zu Theologie-Gesprächen einlädt. Nächste Etappe: das für Frauen ungerechte Erbrecht aushebeln.

0 Kommentare

Neuester Kommentar