Digitale Agenda : Deutschland braucht Ausbildung einer digitalen Exzellenz

Deutschland erlebte Ende der 90er Jahre ein fußballerisches Debakel, stellte seine Talentförderung um - und wurde nun Weltmeister. Vor derselben Herausforderung steht Deutschland jetzt auch bei der Digitalen Bildung. Ein Gastbeitrag des Bundestagsabgeordneten Sven Volmering.

Sven Volmering
Auch Digitale Bildung spielt in der Digitalen Agenda der Bundesregierung eine Rolle. Nur müssten nun konkrete Taten folgen, fordert der Bundestagsabgeordnete Sven Volmering in einem Gastbeitrag.
Auch Digitale Bildung spielt in der Digitalen Agenda der Bundesregierung eine Rolle. Nur müssten nun konkrete Taten folgen,...Foto: dpa

2014 wird als das Jahr in Erinnerung bleiben, in dem Deutschland Fußballweltmeister wurde. Der Titelgewinn in Brasilien war bei allem Glück, das man bei großen Ereignissen immer braucht, auch Lohn für den Tüchtigen, der sich nach den Debakeln bei großen Turnieren Ende der 90er/Anfang der 2000er auf den Weg machte, die Talentförderung in Deutschland konsequent neu zu gestalten. Vor einer ähnlichen Situation steht Deutschland heute bei der Digitalen Bildung. Die digitale Revolution birgt viele Fragen, Herausforderungen, Problemstellungen, aber ebenso riesige Chancen für die gesellschaftliche Entwicklung unseres Landes. Mit der Digitalen Agenda der Bundesregierung ist ein erster Aufschlag gemacht worden, um die Zukunftsfähigkeit unseres Landes zu stärken.

Es freut mich, dass im Rahmen der Agenda nicht nur die Bereiche der Infrastruktur, der Wirtschaft und der Sicherheit angesprochen werden, sondern auch die Bereiche Bildung und Forschung. Die bisherige Diskussion konzentrierte sich bislang zu sehr auf wirtschaftliche und sicherheitspolitische Aspekte.

Digitale Agenda spielte bisher untergeordnete Rolle

Das Fundament einer erfolgreichen Digitalen Agenda – nämlich Digitale Bildung – spielte eine eher untergeordnete Rolle und beschränkte sich oftmals auf Forderungen nach einem Schulfach Internet oder populistischen Ausstattungsfragen. Vielmehr ist es dringend geboten, dass Deutschland im Bereich der Digitalen Bildung ähnlich wie der DFB einen Aufholprozess startet. Experten aus Wirtschaft, Forschung und Bildung vertreten nicht zu Unrecht die These, dass Deutschland im Bereich der Digitalen Bildung hinter den Weltmeistern aus dem asiatischen Raum bis zu zehn Jahre hinterherhinkt. Ich bin der Überzeugung, dass eine digitale Grundbildung wie auch die Ausbildung einer digitalen Exzellenz unerlässlich ist.

Digitale Grundbildung ist eng mit Medienkompetenz verknüpft und meint das Wissen um den sicheren, verantwortungsvollen und kritischen Umgang mit digitalen Medien und Programmen. Digitale Selbstständigkeit ist nicht nur im Hinblick auf den Datenschutz von hoher Bedeutung sondern ebenso eine Voraussetzung für optimale Berufschancen auf dem Arbeitsmarkt.

Damit die digitale Grundbildung nicht nur graue Theorie bleibt, müssen verstärkt digitale Medien und Programme in den Bildungsprozess integriert werden. Ihre Nutzung bringt viele Vorteile, u.a. können Lernmaterialien schneller auf aktuelle Themen ausgerichtet werden und Schüler mit unterschiedlichen Lernniveaus können individueller gefördert werden. Gerade im Hinblick auf die Umsetzung der Inklusion im Schulbereich können solche individualisierbaren, digitalen Lernmaterialien für die Lehrkräfte als Unterrichtsunterstützung dienen.

Ich begrüße daher, dass die Bundesregierung in der Digitalen Agenda angekündigt hat, mit den Ländern eine Strategie „Digitales Lernen“ zu erarbeiten. Dieses Vorgehen wurde bereits im Koalitionsvertrag vereinbart und die nochmalige Bekräftigung durch die Bundesregierung ist ein wichtiger Schritt, dem aber auch konkrete Taten folgen müssen. Deutschland braucht einen Pakt für Digitale Bildung. Bund und Länder können hier an vielen Punkten ansetzen:

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