Digitalisierung im Verkehr : Gegen den Stau hilft nur das Smartphone

Nicht nur in Berlin stehen Autofahrer zunehmend im Stau. Rund ein Drittel des Verkehrs in der Stadt entfällt auf die Parkplatzsuche. Die sollte man neu organisieren - vor allem mit Hilfe von Apps, die freie Plätze anzeigen. Ein Gastbeitrag.

Ralf Bender
Stau stadteinwärts: Wie hier in Lichtenberg geht es vielen Pendler tagein, tagaus.
Stau stadteinwärts: Wie hier in Lichtenberg geht es vielen Pendler tagein, tagaus.Foto: dpa

Die Hauptstadt wird smart: Nach knapp zweijähriger Diskussion hat der Berliner Senat seine Smart-City-Strategie beschlossen. Es geht dabei um Energie-, Verwaltungs- und Gesundheitsthemen sowie um vernetzte Mobilität. Letztere ist ein Schlüsselfaktor dafür, dass eine Stadt als smart gelten kann. Die Verabschiedung dieser Strategie war wichtig, denn dass die Infrastruktur der deutschen Metropolen schon heute überlastet ist, weiß jeder, der zumindest ab und zu dort Auto fährt. Immer wieder staut sich der Verkehr, und einen Parkplatz zu finden ist häufig eine Herausforderung.

In den kommenden Jahren wird sich diese Situation zuspitzen. Immer mehr Menschen ziehen in die Städte, gleichzeitig werden die Menschen immer älter und bleiben länger mobil. Damit wir auch künftig mit dem Auto in die Stadt fahren und dort parken können, müssen wir städtisches Parken neu organisieren. Denn schon heute entfallen 30 bis 40 Prozent des innerstädtischen Verkehrs auf die Parkplatzsuche, Tendenz steigend. Der Schlüssel zur Lösung ist die Digitalisierung der Parkraum-Infrastruktur. Innovative Technologien müssen in die Parkhäuser und Parkplätze Einzug halten. Das Stichwort ist „seamless travelling“: effiziente Mobilität ohne vermeidbare Unterbrechungen.

Denn ob der Verkehr in der Stadt fließt oder nicht, hängt maßgeblich davon ab, ob genug Parkplätze verfügbar sind und dass sie von den Autofahrern schnell gefunden werden. Das Leiten der Fahrzeuge zum nächsten freien Parkplatz ist nur mit intelligenten Technologien möglich. Technisch sind Parkräume aber noch nicht ausreichend in die Navigation eingebunden. So finden wir zwar mit dem Smartphone in die Stadt, orientieren uns bei der Parkplatzsuche aber an altmodischen Anzeigetafeln, ziehen an der Schranke zum Parkhaus Tickets aus Papier und suchen beim Bezahlen mühsam nach Kleingeld.

Würden Parkplätze und Parkhäuser technisch besser ausgestattet, ließe sich das Verkehrsaufkommen in der Stadt deutlich reduzieren. Im Straßenverkehr ist intelligente Technik schon lange gang und gäbe. Kaum jemand fährt heute ohne Navigationsgerät, sei es ein im Auto installiertes oder ein Smartphone. Was beim fließenden Verkehr möglich ist, muss auch für den ruhenden Verkehr, also beim Parken, möglich sein. Denn Digitalisierung im städtischen Verkehr zeigt nur Wirkung, wenn sie umfassend ist. Dann kann „seamless travelling“ funktionieren.

Das Bereitstellen von Parkplätzen ist eine Dienstleistung, die bezahlt werden muss

Dazu muss zunächst die Navigation zu den Parkplätzen besser werden. Dies kann nur über Apps laufen, die dem Autofahrer die nächsten freien Parkplätze anzeigen. Da viele sich per Navigationssystem oder Google Maps durch die Stadt navigieren, ist die Nutzung einer Parking-App nur ein logischer Schritt. Und natürlich müssen auch die Parkhäuser selbst modernisiert werden. Das heißt, dass die Parkhaustechnik ebenfalls „online gehen“, also internetfähig sein muss.

Das alles kostet Geld. Um diese Maßnahmen zu finanzieren, wird es sich nicht vermeiden lassen, flächendeckend bezahltes Parken einzuführen. In Deutschland gibt es noch zu viele innerstädtische, kostenlose Stellplätze, hier muss ein Umdenken stattfinden. Denn das Bereitstellen von Parkflächen ist eine Dienstleistung, die entsprechend bezahlt werden muss – vor allem dann, wenn Parkräume technisch auf dem neuesten Stand sind und sie dem Nutzer ein hohes Niveau an Komfort bieten.

Ralf Bender ist Vorstandsvorsitzender des Parkhausbetreibers Apcoa.

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