Politik : Diktator auf Dauer

Seit 36 Jahren regiert Präsident Eyadema Togo. Das wird so bleiben

Christoph Link[Nairobi]

Seit 36 Jahren ist er bereits im Amt, so lange wie kein anderer afrikanischer Diktator. Doch niemand in Togo hat Zweifel daran, dass der 65-Jährige es auch diesmal schafft: Am Sonntag hat sich Gnassingbe Eyadema als Präsident für die nächsten sieben Jahre zur Wiederwahl gestellt.

Seit er sich 1967 an die Macht putschte, hat Eyadema es geschafft, sich mit einer beispiellosen Repression seiner Bürger und der Manipulation von Wahlen seinen Machterhalt zu sichern. Sieben Attentatsversuche hat Eyadema überlebt und einen Flugzeugabsturz. In einer Glasvitrine hebt er ein Notizbuch auf, das ihn einst vor einer Kugel bewahrte. Amnesty International wirft seinem Regime schwerste Menschenrechtsverletzungen vor. Seit 1993 hat die Europäische Union die Entwicklungshilfe offiziell suspendiert, in Wahrheit aber nur drastisch auf ein Minimum reduziert. Nach seiner Stimmabgabe erklärte Eyadema, unabhängig vom Wahlausgang müsse eine „Regierung der nationalen Einheit“ gebildet werden.

Zurückgekehrt aus französischen Militärdiensten in Indochina und Afrika war der junge Oberstleutnant schon 1963 am Putsch von Nicolas Grunitzky gegen Togos ersten Präsidenten Sylvanus Olympio, der dabei getötet wurde, beteiligt. Den Putschisten Grunitzky räumte Eyadema 1967 selber aus dem Amt, doch mit Olympios Sohn Gilchrist hat er es heute noch zu tun. Dieser gilt als historische Oppositionsfigur Eyademas, aber vor einem Monat entschied das Gremium kurzerhand, dass seine Bewerbungsunterlagen „nicht vollständig“ seien. Am Sonntag ist Eyadema deshalb vor einem gelichteten Kandidatenfeld antreten: Ein 70-jähriger Ingenieur, Emmanuel Akitani Bob, war einziger nennenswerter Mitbewerber.

Weitgehend unbeliebt im Volke arbeitet Eyadema mit brachialen Mitteln zum Machterhalt: Er hat auf Demonstranten schießen lassen und einmal für sich einen Wahlsieg in Höhe von 96 Prozent erklären lassen. 1998 hat er nach einer angezweifelten Wahl eine knappe Mehrheit für sich und gegen Olympio erklärt. Mit der Mehrheit seiner eigenen Partei im Parlament setzte er ein Gesetz durch, wonach er ein drittes Mal als Präsident kandidieren darf. Schon früh hatte Eyadema die rund 10 000 Mann zählenden Streitkräfte mit Leuten seiner Ethnie besetzt. Erste Wahlergebnisse werden am Montag erwartet, die endgültigen am Mittwoch.

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