Dilma Rousseff vs. Aécio Neves : Stichwahl um Präsidentenamt in Brasilien

Die Amtsinhaberin lag bei der Brasilien-Wahl erwartungsgemäß vorne. Doch legte ihr Verfolger eine beeindruckende Aufholjagd hin, die in drei Wochen eine mehr als spannende Stichwahl verspricht.

Brasiliens amtierende Präsidentin Dilma Rousseff
Brasiliens amtierende Präsidentin Dilma Rousseff muss sich einer Stichwahl um das Präsidentenamt stellen.Foto: dpa

Staatschefin Dilma Rousseff selbst hatte schon bei ihrer Stimmabgabe am Sonntag klar gemacht, dass sie einen Sieg in der ersten Runde für unwahrscheinlich halte. „Ich rechne mit einer Stichwahl“, so die 66-jährige Politikerin der Arbeiterpartei PT. Es kam, wie wie sie und die Umfragen vorhersahen, allerdings mit etwas geändertem Personaltableau. Nicht Rousseffs bekannte Rivalin aus den Wahlen 2010, Ex- Umweltminister Marina Silva, tritt am 26. Oktober gegen die Staatschefin an. Ihr Gegner heißt Aécio Neves, der zwölf Jahre jüngere Sozialdemokrat, der sich als einzig wahrer „Anti-Pestita“ (Anti-PT) präsentierte und wie „Phönix aus der Asche“ die Umfrage überflügelte.

Auch wenn Rousseff mit über 41 Prozent mit Abstand die meisten Stimmen bei der Wahl in Brasilien auf sich vereinte und von einem „Sieg“ sprach, ist Neves der eigentliche Gewinner des Wahlsonntags. Er überholte alle Prognosen und kam auf über 33 Prozent. Dieses Ergebnis verspricht einen Hochspannungswahlkampf bis zum Stichentscheid am 26. Oktober.

Für Marina Silva brachte die Wahl eine Enttäuschung

Enttäuschend verlief der Sonntag dagegen für Silva, die nach dem tragischen Tod des Spitzenkandidaten der sozialistischen Partei PSB, Eduardo Campos, im August auf den Schild gehoben wurde. Wochenlang hatte sie in Umfragen auf Platz zwei gelegen und war erst auf der Zielgeraden eingeknickt. Am Sonntag kam sie dennoch auf achtbare rund 21 Prozent. Und in einer Pressekonferenz konnte sie auch schon wieder lachen.

Die nächsten drei Wochen werden stark von Strategien und Absprachen und Bündnissen geprägt sein. Für Neves geht es vor allem um einen geschmeidigen Weg, die Stimmen aus dem Silva-Lager zu sich zu ziehen. Er hatte seine Konkurrentin um Platz zwei in den zurück liegenden Wochen eher schonend behandelt, wohlwissend, dass die Stunde kommen könnte, in der er ihre Hilfe beziehungsweise die ihrer Wähler braucht. Sollten sich beide, unter welchen Umständen auch immer, verbünden, dann könnte es am 26. Oktober für Rousseff tatsächlich knapp werden.

Ob aber Silva ihren Wähler empfiehlt, für Neves zu stimmen, ist offen. Auch das ist in Brasilien Verhandlungssache. Silva hatte schon bei den Präsidentschaftswahlen 2010 - damals als Kandidaten der Grünen - den Sprung in die zweite Runde verpasst. Auch damals gab sie keine grundsätzliche Wahlempfehlung ab. Ein kleiner Trost blieb immerhin für die engagierte 56-Jährige: Sie verbesserte ihr Wahlergebnis von 2010 um über zwei Prozent.

Die Stichwahl ist offener als gedacht

Das Rennen um die Präsidentschaft der siebtgrößten Volkswirtschaft ist auf jeden Fall nach der ersten Runde offener, als viele dachten. Die nächsten Wochen werden hart, doch die Brasilianer haben seit langem eine mehr oder wenige klare Alternative. Neves verspricht den Aufbruch und geißelt den Interventionismus der Rousseff-Regierung, die Investoren abschrecke. „Wir sind erst auf der Hälfte des Weges. Ab morgen (Montag) sind wir wieder in der Kampagne. Das ist kein Projekt nur von einer Partei. Das ist die Stunde, um die Kräfte zu vereinen“, sagte Neves am Sonntagabend.

Rousseff wurde bei ihren Auftritt von den Anhängern mit „Um, dois, tres, Dilma outra vez“ (Ein, zwei, drei, Dilma noch einmal) bejubelt. „Das ist ein Sieg und die Botschaft ist einfach: Ich soll weitergehen und weiter kämpfen. Und der Kampf wird ganz ohne Zweifel siegreich sein“, sagte Rousseff. Sie setzt auf Kontinuität und verwies in der Kampagne stets auf die Erfolge ihrer Regierung unter anderem bei der Armutsbekämpfung.

Im Fernsehland Brasilien könnten TV-Duelle entscheidend sein

Traditionell schnitt sie und ihre PT im armen und unterentwickelten Nordosten des Landes stark ab. Dort profitieren Millionen Menschen von der Familiensozialhilfe „Bolsa Família“, die von Rousseff und ihrem Vorgänger und Parteigenossen Luiz Inácio Lula da Silva im Kampf gegen die Armut massiv ausgebaut wurde.

Die gegnerischen Lager dürften in den kommenden drei Wochen vor allem aufs Fernsehen setzen und dort mit einer Mischung aus Emotionen, Musik und perfekt inszenierten Filmsequenzen um die Gunst der Wählen buhlen. Dabei hat Neves allerdings einen Vorteil. Ihm standen bislang nur vier Minuten Sendezeit zur Verfügung, dem Rousseff-Lager dagegen elf. Jetzt haben beide Endrundenteilnehmer die gleiche Sendezeit. Im Fernsehland Brasilien kann das entscheidend sein. (dpa)

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