Politik : Diplomat: In islamischer Welt steigt Aggression gegen Westen

Frank Jansen

Wiesbaden – Die deutschen Botschaften in den arabischen Ländern registrieren eine starke Zunahme antiwestlicher Stimmungen. Seit dem Irak-Krieg sei die Glaubwürdigkeit der US-Politik und der des Westens überhaupt „auf einen historischen Tiefpunkt gefallen“, sagte Volkmar Wenzel auf der Herbsttagung des Bundeskriminalamts in Wiesbaden zum Thema „Netzwerke des Terrors – Netzwerke gegen den Terror“. Wenzel leitet im Auswärtigen Amt den „Arbeitsstab für den Dialog mit der islamischen Welt“.

Der Westen erzeuge ein „Gefühl der Bedrohung“, sagte Wenzel. In der arabischen Welt sei die Furcht vor einer „kulturellen Invasion des Westens“ weit verbreitet. Das könne man auch überall in Kaffeehaus-Gesprächen hören. Viele Araber sähen den Westen trotz seiner demokratischen Werte nicht als Verbündeten im Kampf gegen die korrupten einheimischen Regierungen. Es werde der Vorwurf geäußert, der Westen verfolge doppelte Standards – ihm seien das Bündnis mit Israel und der Zugriff auf Öl wichtiger als eine Entwicklung zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit im Nahen und Mittleren Osten.

Den USA werde vorgeworfen, sie enthielten der Region bewusst die Demokratie vor, um machtpolitische Interessen besser durchsetzen zu können.Wenzel glaubt nicht, dass ein Wahlsieg von US-Präsident George Bush die antiwestliche Stimmung in den arabischen Ländern noch anheizen werde. Die Konflikte im Irak und Palästina beschäftigten die Araber weit mehr als die Frage „Bush oder Kerry“.

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