Politik : Diplomat nach innen und außen

Hans Monath

Weder die Begegnung mit den Führern islamischer Staaten noch Gespräche mit den Vertretern von Hilfsorganisationen stimmten den Außenminister um: Während im heimischen Deutschland Grünen-Politiker darüber stritten, ob die US-Militärschläge gegen Ziele in Afghanistan nicht alle Moslems zu Feinden des Westens machen und die Versorgung der afghanischen Flüchtlinge verschlechtern würden, zeigte sich Joschka Fischer durch seine Erfahrungen in Pakistan und Tadschikistan bestätigt: Mehr denn je sei er überzeugt, dass den Taliban und den von ihnen gedeckten Terroristen ohne militärische Mittel nicht beizukommen sei, verkündete der Außenminister, bevor er am Samstagabend wieder in Berlin landete.

Gleichsam eine Doppelbotschaft brachte der Außenminister zurück, die sich auf die einfache Formel bringen lässt: Militär muss sein, Politik und humanitäre Hilfe müssen sein. Deshalb war die dreitägige Reise auch ein Zeichen an die eigene Partei, dass Regierungsverantwortung und Solidarität mit den USA eben nicht das Aufgeben aller eigenen Ziele und den Abschied von grüner Politik bedeuten müssen. Es war durchaus im Sinne der Grünen, dass vor der Berlin-Wahl in den heimischen Nachrichten nach der Meldung vom Einsatz von US-Bodentruppen darüber berichtet wurde, wie der Außenminister sich in den Nachbarstaaten Afghanistans um eine politische Lösung und um humanitäre Hilfe für Flüchtlinge und die Hungernden in dem Kriegsland bemühte.

Was im Inland Wirkung zeigen sollte, gehorchte trotzdem einem größeren, allgemeinen Interesse. Denn dem pakistanischen Präsidenten Musharraf oder seinem tadschikischen Kollegen Rachmonow trat nicht etwa der starke Mann der Grünen entgegen, sondern der deutsche Außenminister - und damit der Vertreter des größten Landes in der EU.

Die Europäer bemühen sich gerade, das Vakuum zu füllen, das durch den amerikanischen Verzicht auf einen Plan für die Zeit nach dem Ende des Krieges gegen die Taliban entsteht. Kurz vor Fischers Reise in den Mittleren Osten hatten sich die EU-Außenminister auf die Grundelemente einer Strategie für Afghanistans Zukunft geeinigt: Die UN sollen eine wesentliche Rolle spielen, der traditionelle "Große Rat" (Loya Jirga), der frühere König Zahir Schah, alle Ethnien sollen beteiligt werden, auch die gemäßigten Paschtunen.

Sowohl in Pakistan als auch in Tadschikistan fand Fischer dafür Zustimmung - auch wenn die Nachbarn, gegen die es nach EU-Vorstellung keine Lösung geben soll, in Afghanistan jeweils unterschiedliche Volksgruppen stützen. Aber die Regierungen, mit denen Fischer verhandelte, haben auch Wünsche an die EU: Pakistans Militärherrscher Musharraf sieht die Chance zur Rückkehr aus der Isolation, verlangt Unterstützung im Streit um Kaschmir mit Indien und hofft auf wirtschaftliche Zusammenarbeit. Das kleine Tadschikistan hofft auf Entwicklungshilfe und dauerhafte Zusammenarbeit.

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