Politik : Diplomaten-Krise: USA weisen 50 russische Landesvertreter aus

Die USA haben einen Monat nach der Festnahme des Moskauer FBI-Spions Robert Hanssen die größte Massenausweisung russischer Diplomaten seit dem Ende des Kalten Kriegs angeordnet. Vier Diplomaten wurden noch am Donnerstag offiziell zu "unerwünschten Personen" erklärt. Bis zu 46 weitere wurden "gebeten", das Land bis zum 1. Juli zu verlassen. 1986 hatte der damalige Präsident Ronald Reagan 80 Botschaftsangehörige des Landes verwiesen und damit den einmonatigen "Diplomatenkrieg" ausgelöst.

In amerikanischen Fernsehberichten hieß es, der russische Botschafter Juri Uscha-kow sei am Mittwochnachmittag ins Außenministerium zitiert worden. Dort habe ihm Außenminister Colin Powell erklärt, die vier Diplomaten müssten das Land in den nächsten Tagen verlassen. Für die übrigen Diplomaten, die noch ausgewiesen werden sollen, wurde in dem Gespräch noch kein Zeitrahmen genannt.

Die vier ersten Diplomaten auf der Liste sollen unmittelbar in den Spionagefall Hanssen verwickelt gewesen sein. So hätten sie unter anderem seine in toten Briefkästen im Raum Washington verteilten geheimen Unterlagen eingesammelt und ausgewertet. Einige sollen das Land bereits verlassen haben.

Moskau reagierte am Donnerstag auf die Ankündigung der US-Regierung mit der Einbestellung des amerikanischen Botschafters James Collins ins Außenministerium. Einzelheiten zu dem Gespräch mit Vizeaußenminister Mamedow wurden nicht bekannt, doch wurde in Washington mit der Ausweisung amerikanischer Diplomaten gerechnet. Außenminister Igor Iwanow nannte den Schritt Washingtons "völlig unbegründet".

Der außenpolitische Chefberater von Präsident Wladimir Putin, Sergej Prichodko, nannte das Vorgehen einen bedauerlichen "Rückfall in die Epoche des Kalten Krieges". Der Vorsitzende des US-Senatskomitees gegen Spionage, Bob Graham, sagte, er rechne nun mit einer Vergeltungsaktion Moskaus. Vermutlich würden jetzt einige der erfahrensten Diplomaten aus Russland ausgewiesen. Der russische Parlamentspräsident Gennadi Selesnjow bestätigte diese Einschätzung. Er sagte, Russland werde Gründe finden, um die gleiche Anzahl von amerikanischen Botschaftsmitgliedern aufzufordern, das Land zu verlassen.

Aus dem US-Bundeskriminalamt FBI verlautete, Bush nehme den Fall Hanssen nur als Vorwand, um die russische Spionagetätigkeit in den USA einzuschränken. Nach Einschätzungen des US-Geheimdienstes operieren zurzeit zwischen 200 und 400 russische Spione in den USA. Dies sei ein deutlicher Anstieg gegenüber den vergangenen Jahren.

Der hochrangige FBI-Mitarbeiter Hanssen war Mitte Februar festgenommen worden. Der 56-Jährige soll unter anderem einen geheimen Abhörtunnel des US-Geheimdienstes unter der Moskauer Botschaft in Washington verraten haben. Hanssen hatte 25 Jahre lang für das FBI gearbeitet, zuletzt als Verbindungsmann zum Außenministerium, wo er die Akkreditierung ausländischer Diplomaten in den USA überprüfte.

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