Diplomatie im Nahen Osten : Der Araber-Versteher

David Govrin ist Israels neuer Chefdiplomat in Ägypten. Fünf Jahre nach der Erstürmung der israelischen Botschaft nähern sich die Länder wieder an.

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Als junger Student war Govrin zum ersten Mal in Ägypten. Nun vertritt er sein Land als Botschafter in Kairo.
Als junger Student war Govrin zum ersten Mal in Ägypten. Nun vertritt er sein Land als Botschafter in Kairo.Screenshot: Youtube/Israelisches Außenministerium

Im instabilen Nahen Osten eine gute Nachbarschaft zu pflegen, kann angesichts islamistischer Terrorgruppen und kurzlebiger Regimes schnell zur Mammutaufgabe werden. Die beiden Anrainer Israel und Ägypten unterhalten vor diesem Hintergrund eine fast schon enge Beziehung, und das seit 1980. Nun hat in der israelischen Botschaft in Kairo ein neuer Chefdiplomat Platz genommen: David Govrin.

Der 53-Jährige war bereits in den Neunzigern als Erster Sekretär in der israelischen Vertretung in Kairo tätig. Bis vor Kurzem arbeitete er als Direktor des Departements für Jordanien und Nordafrika im israelischen Außenministerium. Govrin, der dem bisherigen Botschafter Haim Koren nachfolgt, hat einen Doktortitel in Nahost-Geschichte und spricht fließend Arabisch. In seiner Doktorarbeit befasste er sich mit den neuen arabischen Liberalen.

Geboren und aufgewachsen ist der Vater zweier Söhne und einer Tochter in Jerusalem. Schon sein Vater war Botschafter. Inspiration holt sich Govrin vor allem vom ehemaligen ägyptischen Präsidenten Anwar al Sadat. Aus seiner Bewunderung für den Politiker, der 1981 einem Attentat zum Opfer fiel, macht er keinen Hehl.

Dieser habe in seiner Amtszeit eine „außergewöhnliche politische Weisheit“ bewiesen, schrieb Govrin bereits vor zehn Jahren in einem Aufsatz. Von al Sadat habe er gelernt, dass der israelisch-arabische Konflikt vor allem auf einer „psychologischen Barriere“ beruhe, die es zu überwinden gelte.

Noch heute sagt Govrin, der ägyptische Staatsmann habe ihn „tief beeindruckt“. Anwar al Sadat hatte 1979 mit dem damaligen israelischen Ministerpräsidenten Menachem Begin einen historischen Friedensvertrag in Camp David geschlossen.

Der 13. israelische Botschafter in Ägypten tritt ein schweres Erbe an. Die Erinnerung an die Erstürmung der israelischen Botschaft durch aufgebrachte Demonstranten 2011 ist noch frisch. Damals mussten 85 Botschaftsmitarbeiter mithilfe ägyptischer Sicherheitskräfte evakuiert werden.

Hintergrund waren Proteste gegen israelische Anti-Terror-Maßnahmen, bei denen drei ägyptische Soldaten ums Leben kamen. Erst vier Jahre später wurde die Botschaft wieder eröffnet. Der Vorfall führte zu einer schweren diplomatischen Krise. Seitdem haben sich beide Länder wieder angenähert. Vor Kurzem war Ägyptens Außenminister Samih Schukri in Israel. Es war der erste Besuch eines ägyptischen Außenministers seit 2007.

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