Diplomatie : Indien und Pakistan reden wieder

Erstmals seit 15 Monaten haben sich Vertreter Indiens und Pakistans am Donnerstag zu Direktgesprächen getroffen. Ziel war es, Vertrauen aufzubauen, um die nach den Bombayanschlägen im November 2008 unterbrochenen Friedensgespräche neu anzuwerfen.

Daniel Kestenholz

Bangkok -  Pakistans Außenstaatssekretär Salman Baschir sprach nach der Ankunft in Neu-Delhi von der „Hoffnung auf einen positiven Ausgang“. Es sei „gut, zurück zu sein“. Er wolle „Differenzen überbrücken“, während seine indische Amtskollegin Nirupama Rao gleich eine konkrete Bitte hatte, um die Gesprächsbereitschaft ihres Gastes zu prüfen: Am runden Tisch verlangte sie die Festnahme von acht Terroristen, darunter von Hafiz Saeed, dem Gründer der radikalislamistischen Lashker-e-Taiba und mutmaßlichen Rädelsführer der Anschläge mit über 170 Toten, der sich trotz gegenteiliger Beteuerungen Pakistans frei im Land bewege.

Bei einer Pressekonferenz nach dem Treffen nannte Rao Pakistans Position „nicht zufriedenstellend“ und bemängelte das herrschende „Vertrauensdefizit“. Pakistan habe noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Als Erfolg der Gespräche hätte die Vereinbarung eines baldigen nächsten Treffens gegolten, um die 2005 begonnene Friedensrunde offiziell wieder aufzunehmen. Beide Staatssekretäre schwiegen sich dazu jedoch aus – Indien und Pakistan bleiben in nahezu allen Streitpunkten anderer Meinung. So verlangt Islamabad als Hauptthema die Unruheprovinz Kaschmir, die von beiden Nationen beansprucht wird – „Kaschmir ist das Herzstück“, sagte Staatssekretär Baschir –, während Indien den Terrorismus pakistanischer Extremisten ansprechen will, die auch diese Woche wieder für ein Grenzscharmützel in Kaschmir sorgten. Zwei der drei Kriege, die Indien und Pakistan seit der Erlangung der Unabhängigkeit 1947 austrugen, galten Kaschmir.

Nach dem Terrorangriff auf Bombay Ende November 2008 hatte Neu-Delhi die 2004 begonnenen Friedensgespräche auf unbestimmte Zeit auf Eis gelegt. Nachdem Pakistan in den vergangenen Monaten verstärkt gegen Extremisten vorgegangen war, stand Indien unter wachsendem internationalen Druck, den Dialog wieder aufzunehmen. Insbesondere den USA ist an einer Stabilisierung der Region gelegen, um sich stärker auf ihren Afghanistaneinsatz konzentrieren zu können. Pakistan ist beunruhigt darüber,dass Indien in Afghanistan massiv investiert und fürchtet, dort seinen Einfluss zu verlieren. Dass beide Staaten überhaupt miteinander sprachen, gilt deshalb schon als kleiner Erfolg.Daniel Kestenholz

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