Politik : Diplomatie mit Tuchfühlung

Viel Lob für Rice nach ihrem Auftritt in Paris

Sabine Heimgärtner[Paris]

Offenbar sind alle äußerst zufrieden. Die von Politikern und Medien als „Versöhnungs“-Besuch eingestufte Visite von US-Außenministerin Condoleezza Rice in Paris, dem einstigen europäischen Zentrum des Widerstands gegen den Irakkrieg, lieferte am Mittwoch nicht nur allen Zeitungen positive Schlagzeilen, sondern fand auch in der Regierung und den Parteizentralen große Anerkennung. „Bushs schönstes Lächeln“, titelte die linksliberale Zeitung „Libération“ und lobte, dass Rice „die Versöhnung zwischen den USA und Frankreich mit äußerstem Engagement“ eingeleitet habe. „Es ist Zeit, die Unstimmigkeiten zwischen uns zu überwinden und ein neues Kapitel aufzuschlagen“, sagte Rice – von der französischen Presse als „super-chic und geradlinig“ beschrieben – bei einer Pressekonferenz nach ihrem Treffen mit Präsident Jacques Chirac.

Der eher schüchterne französische Außenminister Michel Barnier wagte sogar eine freundschaftliche Schulterberührung und führte „Madame“ vor den zahlreichen Journalisten als „liebe Condi“ ein. Erstaunlich war lediglich, dass kein einziges Wort über den Inhalt des Gespräches der neuen US-Chefdiplomatin mit Chirac bekannt wurde.

Davon, dass es nun mit den Beziehungen zwischen Paris und Washington zum Besten steht, sind Frankreichs Sozialisten nicht ganz überzeugt. Schützenhilfe leistete ihnen die Zeitung „France Soir“ mit dem Titel „Kann man Rice trauen?“ Der sozialistische Ex-Kulturminister Jack Lang sagte: „Den Worten müssen jetzt Taten folgen, beispielsweise der schnellstmögliche Rückzug der Amerikaner aus dem Irak.“ Ganz anders kam der „Condi“-Besuch bei den Konservativen an, besonders bei den „Pro-Amerikanern“ wie dem neuen Parteichef der Chirac-Partei UMP, Nicolas Sarkozy. Sein Vertrauter Christian Estrosi betonte, es zeige sich jetzt „endlich, dass beide Länder immer schon dieselben moralischen Werte verteidigten“.

Auch bei der Nato streckte Rice den Gegnern des Irakkriegs die Hand zur Versöhnung aus. Nach einem Treffen mit ihren Bündniskollegen am Mittwoch in Brüssel lobte Rice die wachsende Solidarität aller Alliierten beim Wiederaufbau der Sicherheitskräfte im Irak. Rice war sichtlich bemüht, die gute Atmosphäre des Treffens hervorzuheben. „Es war das beste Gespräch, das wir über den Irak hatten, seit dem Fall des Regimes von Saddam Hussein“, sagte sie.

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