Diplomatie : Russland und China: Gespräch zwischen befreundeten Rivalen

Es ist das fünfte Treffen des russischen mit dem chinesischen Präsidenten: Wenn Dmitri Medwedew und Hu Jintao am heutigen Montag miteinander sprechen, wird es vor allem um Gemeinsamkeiten gehen.

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Russland und China vertreten in vielen Punkten gleiche oder ähnliche Positionen und haben seit Unterzeichnung des Vertrags über gutnachbarliche Beziehungen 2001 ihre Partnerschaft kontinuierlich ausgebaut. Beide gehören mit Brasilien und Indien zu jenen Schwellenländern, deren Volkswirtschaften am schnellsten wachsen, beide haben auch das Sagen in der sogenannten Schanghai-Organisation, einem Bündnis für regionale Zusammenarbeit, der vier zentralasiatische Ex-Sowjetrepubliken als Vollmitglieder und mehrere Staaten des Mittleren Ostens – darunter Iran und Afghanistan – als Beobachter angehören. Experten sehen es als Gegenentwurf zur Nato und dem Opec-Kartell der Ölexporteure.

Aktiv bemühen Moskau und Peking sich auch um eine neue Sicherheitsarchitektur für die Pazifikregion. Dort wie in Zentralasien sind beide allerdings wohl nur Partner auf Zeit. Allen Beschwörungen ewiger Freundschaft zum Trotz liefert Peking Moskau in beiden Regionen einen knallharten Verdrängungswettbewerb, mit milliardenschweren Investitionen in die Infrastruktur, die Kredite chinesischer Banken finanzieren. Öl- und Gaspipelines, die die Vorkommen am Kaspischen Meer anzapfen, gefährden längerfristig Russlands Monopol ebenso wie das Nabucco-Projekt, mit dem die EU zentralasiatisches Gas unter Umgehung Russlands nach Westen pumpen will.

Auch in Russland selbst will Chinas boomende Volkswirtschaft künftig Treibstoff tanken. In Anwesenheit beider Präsidenten soll am Montag der nach China führende Zweig einer Pipeline aus Ostsibirien in Betrieb genommen werden, die vor allem Japan mit Gas versorgen wird. Dank seiner Rohstoffexporte hat China Deutschland im ersten Halbjahr 2010 als wichtigsten Handelspartner Russlands abgelöst. Der gegenseitige Austausch wuchs im ersten Halbjahr um 56 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und liegt damit sogar höher als vor der Weltwirtschafts- und Finanzkrise. Elke Windisch

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