Politik : Diplomatische Irritationen über das Programm überschatten Baraks Hauptstadt-Visite

Israel und Deutschland wollen ihren Beziehungen neuen Schub verleihen und bei der Förderung des Nahost-Friedensprozesses eng zusammen arbeiten. Als erster ausländischer Regierungschef seit dem Umzug der Regierung nach Berlin wurde Ehud Barak am Dienstagabend in der Bundeshauptstadt erwartet. Unmittelbar danach war ein Gespräch zwischen Bundeskanzler Gerhard Schröder und seinem israelischen Gast geplant. Vor seiner Abreise bezeichnete Barak Deutschland als "Israels guten Botschafter in Europa".

Barak wird von mehreren Holocaust-Überlebenden begleitet, unter ihnen auch der frühere Knesset-Präsident Schewach Weiss. Bereits am Mittwochnachmittag reist der Regierungschef nach Paris weiter.

Vor seinem Abflug in die französische Hauptstadt wollen Barak und Schröder zusammen mit ihren Ehefrauen die KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen in der Nähe von Berlin besuchen. Kurz vor dem Besuch in Sachsenhausen, den Barak in der "Bild"-Zeitung als "ein moralisches Bedürfnis" bezeichnete, wird der israelische Regierungschef von Bundespräsident Johannes Rau und Bundestagspräsident Wolfgang Thierse empfangen.

Deutsche Regierungskreise bekräftigten kurz vor der Ankunft des Gastes, dass Barak ganz bewusst als erster ausländischer Politiker nach Berlin eingeladen wurde. Damit sollten die besonderen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel unterstrichen werden. In dem "Bild"-Interview unterstrich Barak weiter, Israel lege größten Wert auf gute Beziehungen zu Deutschland. "Wir besuchen also ein befreundetes und wohlgesinntes Land", zitierte die Zeitung den Premierminister.

Am Tag des Besuchs-Beginns waren vor allem in Tel Aviv Irritationen über den Ablauf des Aufenthalts entstanden. Israelische Oppositionsmitglieder kritisierten, dass Barak Berlin als erster ausländischer Staatsgast nach dem Umzug der Regierung besucht. Der rechtsorientierte Parlamentarier Danny Naveh (Likud) sagte: "Ich finde das unverständlich und unsensibel, dass ausgerechnet der Regierungschef Israels, des Staates der Juden, als Erster hinrennt, Berlin zu besuchen. Wir erinnern uns alle sehr gut daran, was dort entstand und was diese Stadt symbolisiert." Die Zeitung "Maariv" schrieb, Barak habe einen geplanten Besuch im restaurierten Reichstag abgesagt. Ein Regierungssprecher in Berlin betonte, ein solcher Besuch sei von Anfang an überhaupt nicht geplant gewesen.

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