Politik : Dirigent Thielemann droht Berlin: Mehr Geld fürs Orchester, oder ich gehe

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Berlin/Wien Christian Thielemann, Generalmusikdirektor der Deutschen Oper in Berlin, will seinen Posten aufgeben, wenn der Senat nicht in Kürze den Etat seines Orchesters deutlich aufstockt. Im Gespräch mit dem Tagesspiegel am Rande eines Gastspiels in Wien erklärte der Dirigent, seine Geduld sei nun am Ende. Er werde sich nicht mehr länger „hinhalten“ und mit „leeren Versprechungen abspeisen“ lassen : „Talking is over, action is on“. Sollte es in einem Gespräch mit dem Kultursenator am kommenden Montag zu keiner verbindlichen Zusage kommen, die Deutsche Oper der Linden-Oper gleichzustellen, „dann ist Schluss, dann muss ich gehen“.

Hintergrund ist ein jahrelanger Streit um die Finanzausstattung der Deutschen Oper. Obwohl sie dem kulturpolitischen Anspruch nach der Linden-Oper gleichgestellt ist, werde sein Haus „kaputtgespart“, sagte Thielemann. Was er wolle, sei nicht eine Aufstockung des Kulturetats, sondern „dass das Geld, was da ist, in der Opernstiftung gerechter verteilt wird, damit hier Chancengleichheit herrscht.“ Sonst schrumpfe die Deutsche Oper auf Provinzniveau. Anders als die Linden-Oper kann Thielemann nicht mit Geld vom Bund rechnen. Kulturstaatsministerin Christina Weiss schrieb Thielemann zwar am 5. Mai, dass er das „Problem des Orchesters der Deutschen Oper sehr nachdrücklich belegen“ könne. Ein Ausgleich der „Wettbewerbsnachteile“, der zu „einer leistungsgerechteren Vergütung“ für die Deutsche Oper führe, müsse aber „innerhalb der Opernstiftung selbst gefunden werden“. psi

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