Dirigierter Volkszorn : China schickt Fischerboote in japanische Gewässer

17.09.2012 20:19 Uhrvon
  • Der chinesische Vizepräsident und potenzielle Nachfolger von Staatsoberhaupt Hu Jintao, Xi Jinping, hat im Inselstreit mit Japan zur Mäßigung aufgerufen. (Archivaufnahme) Quelle: AFP
    Der chinesische Vizepräsident und potenzielle Nachfolger von Staatsoberhaupt Hu Jintao, Xi Jinping, hat im Inselstreit mit Japan zur Mäßigung aufgerufen. (Archivaufnahme) - Quelle: AFP
  • In China gehen weiterhin täglich tausende Menschen auf die Straße, um gegen Japan zu demonstrieren. Vordergründig geht es um eine Gruppe unbewohnter Inseln, die im Ostchinesischen Meer liegen und seit kurzem dem japanischen Staat gehören. Foto: Reuters
    In China gehen weiterhin täglich tausende Menschen auf die Straße, um gegen Japan zu demonstrieren. Vordergründig geht es um eine Gruppe unbewohnter Inseln, die im Ostchinesischen... - Foto: Reuters
  • Tatsächlich geht es aber um mehr: China und Japan trennt eine jahrhundertealte Feindschaft. Beide Seiten provozieren sich jetzt gegenseitig. Vor den Inseln kreuzen japanische und chinesische Schiffe. Foto: dapd
    Tatsächlich geht es aber um mehr: China und Japan trennt eine jahrhundertealte Feindschaft. Beide Seiten provozieren sich jetzt gegenseitig. Vor den Inseln kreuzen japanische und... - Foto: dapd

Peking lässt die Proteste gegen Tokio im Streit um eine Inselgruppe im Ostchinesischen Meer gezielt eskalieren. Nun werden Fischer ausgeschickt.

China lässt die Beziehungen zu Japan wegen des Streits um eine Inselgruppe im Ostchinesischen Meer kontrolliert eskalieren. Am Montag gab das Staatsradio bekannt, dass rund 1000 chinesische Fischerboote die Gewässer rund um die umstrittenen Inseln anlaufen wollen. „Die Gewässer unterliegen chinesischer Rechtsprechung und sind traditionelle Fischgründe chinesischer Fischer“, zitiert die Nachrichtenagentur Xinhua den chinesischen Außenamtssprecher Hong Lei. Zudem drohte China mit Wirtschaftssanktionen und einem Handelskrieg, falls Japan im Streit um die Inseln im Ostchinesischen Meer nicht nachgebe.

Die chinesischen Sicherheitskräfte vor der japanischen Botschaft in Peking dirigierten derweil die antijapanischen Proteste.

Nur in Gruppen zu je 100 Personen ließen sie die Demonstranten auf den abgesperrten Protestparcours. Hatte eine Gruppe zu Ende protestiert, durfte die nächste auf die Strecke. Die Hongkonger Zeitung „Ming Pao“ berichtet sogar von Anweisungen der Zivilbeamten, die Demonstranten sollten ausländischen Medien die „Qualität chinesischer Bürger“ beweisen. „Denkt daran, die Nationalhymne zu singen“, lautete eine Vorgabe. „Die Gesichtsausdrücke müssen ernst bleiben, lacht nicht und spielt nicht mit euren Mobiltelefonen.“

Schon jetzt rufen viele zum Boykott japanischer Waren auf. Andere versuchen, ihren Besitz zu schützen, wie jener Toyota-Fahrer, der sein Fahrzeug mit einer Erklärung behängt hat: „Ich habe dieses Auto gekauft, bevor die Japaner Mist gebaut haben – ab jetzt werde ich alle japanischen Produkte boykottieren.“

Auch Canon und Panasonic spüren die Proteste. Beide japanischen Firmen mussten ihre Fabriken in mehreren chinesischen Städten schließen. Chinesische Arbeiter hatten sich geweigert, weiter für sie zu arbeiten. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua bedauert die Fabrikschließungen, schreibt aber auch: „Die japanische Regierung ist schuld an den ,Kollateralschäden’ chinesischer Proteste.“ Die Regierung hätte die Konsequenzen der Entscheidung, drei der umstrittenen Inseln aus Privatbesitz zu kaufen, absehen müssen, erklärt Xinhua: „Vor dem Hintergrund der schwer belasteten Geschichte japanischer Invasionen in China in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hätte Japan vorhersehen müssen, dass jede plötzliche Handlung, die Chinas Souveränität bedroht, die Flammen des Zorns im chinesischen Volk entfachen würde.“

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