Politik : Disko-Betreiber leiden unter "Erinnerungsschwund"

Frank Jansen

Im Prozess um die Hetzjagd in Guben ist der Anlass für die Eskalation der Gewalt immer noch nicht vollständig geklört. Warum in der Nacht zum 13. Februar in der Diskothek "Dance Club" eine Gruppe Skinheads mit Vietnamesen aneinander geriet, konnten oder wollten gestern mehrere Zeugen dem Landgericht Cottbus nicht schildern. Den Aussagen war allerdings zu entnehmen, dass die maximal fünf Glatzköpfe zumindest teilweise in Bomberjacken-Springerstiefel-Outfit erschienen waren, was in der von vielen Ausländern besuchten Disko als Provokation empfunden wurde. Zu den nicht-deutschen Gästen zählte auch Farid Guendoul alias Omar Ben Noui, der später in der Nacht auf der Flucht vor rechten Schlägern eine Glastür eintrat und sich tödliche Schnittverletzungen zuzog. In der Diskothek hatte Guendoul offenbar keinen Kontakt zu den Skinheads gehabt.

Erinnerungslücken präsentierte vor allem der Betreiber der Diskothek, der sich in Verhandlungspausen mit einigen der elf Angeklagten unterhielt. Erst nachdem ihm Richter Joachim Dönitz eine frühere Aussage bei der Polizei vorgehalten hatte, räumte der Chef des "Dance Club" ein, ein weiblicher Gast sei im Lokal als "Ausländerschlampe" beschimpft worden. Relativ wenig konnte der Zeuge auch über die folgende Schlägerei zwischen Vietnamesen und Skinheads vor seinem Lokal berichten.

Ausführlich konnte der Disko-Betreiber indes einen Vorfall wiedergeben, der sich eine Woche nach der Hetzjagd ereignet haben soll. Drei Asylbewerber versuchten demnach mit Gewalt, den Eintritt zum Dance-Club zu erzwingen. Anschließend soll der Leiter eines Flüchtlingsheims aufgetaucht sein und gedroht haben, er hetze die Presse auf das Lokal. Anlass für die Randale war ein vierwöchiges Lokalverbot, das der Disko-Chef nach der Hetzjagd kollektiv gegen die örtlichen Asylbewerber verhängt hatte - aufgrund eines Gerüchtes, Flüchtlinge wollten nach dem Tod von Guendoul einen Rachefeldzug starten.

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