Politik : Dissens über Stärke der Taliban

Berlin - Die Sicherheitslage in Nordafghanistan ist offenbar weitaus dramatischer als von der Bundeswehr und vom Verteidigungsministerium öffentlich dargestellt. Ein „Anstieg“ von Anschlägen der Taliban auf deutsche Soldaten gelte als „wahrscheinlich“, zitierte die „Bild“- Zeitung am Donnerstag aus geheimen Bundeswehr-Dokumenten. Ein Ministeriumssprecher in Berlin sagte, dazu lägen ihm keine Erkenntnisse vor.

Am 28. Mai waren bei einem Sprengstoffanschlag im Gouverneurspalast von Talokan in der Provinz Tachar zwei Bundeswehrsoldaten getötet worden. Sechs deutsche Soldaten wurden verletzt, unter ihnen der Kommandeur des Regionalkommandos Nord der Isaf-Truppe, General Markus Kneip. Bei einem Anschlag auf einen Marder-Schützenpanzer der Bundeswehr kam dann am 2. Juni in der Provinz Baghlan ein Bundeswehrsoldat ums Leben.

Nach dem Anschlag vom 2. Juni hatte Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) gesagt, die Strategie der Bundeswehr in Afghanistan sei richtig, da gerade im Norden des Landes die Taliban an Boden verlören. Den Islamisten bleibe deswegen nur noch „das besonders perfide Mittel von Terror und Sprengstoffanschlägen“. Experten der Bundeswehr sagten hingegen der „Bild“-Zeitung, die Taliban hätten lediglich ihre Strategie geändert; angesichts der Zerstörung des Marder-Panzers sei eine „völlig neue Dimension“ neuer Anschläge zu erwarten. Die Ermittler der Nato-Truppe Isaf gehen dem Bericht zufolge auch davon aus, dass der afghanische Geheimdienst NDS offenbar von dem Anschlag am 2. Juni wusste.

US-Präsident Barack Obama will nach Angaben seines Sprechers bald Einzelheiten für den geplanten Truppenabzug aus Afghanistan bekanntgeben. Er soll im Juli beginnen. Seit der Tötung von Osama bin Laden im Mai steht der Präsident unter Druck des Kongresses, die Zahl der Soldaten rasch zu senken. AFP/rtr

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