Politik : Djerba: Interview: "Das war ein Anschlag"

Die Explosion auf Djerba - war das ein Anschlag?

Christoph Moosbauer (32) ist Nahost-Experte der SPD-Fraktion und sitzt im Auswärtigen Ausschuss.

Die Explosion auf Djerba - war das ein Anschlag?

Die Indizien deuten darauf hin. Es ist noch nicht verifiziert, aber nach den gegebenen Tatsachen muss man davon ausgehen, dass es einer war.

Was für Tatsachen meinen Sie?

Gerade auch in den gemäßigten nordarabischen Ländern haben in den vergangenen Tagen große Demonstrationen gegen Israel stattgefunden und gegen das, was derzeit im Nahostkonflikt geschieht. Da wäre es ein wirklich seltsames Zusammentreffen, wenn so ein Unfall zufällig passieren würde.

Presseberichte zitieren Augenzeugen, die sagen, dass es sich um einen Anschlag handeln muss - warum hält sich das Auswärtige Amt mit seinen Auskünften so auffallend zurück?

Ich kann mir vorstellen, dass man hier keine diplomatischen Schwierigkeiten produzieren möchte. Ich verstehe auch, dass man erst, wenn man glasklare Beweise hat, von einem Anschlag reden will. Aber meiner Ansicht nach sind das diplomatische Rückzugsgefechte. Neben der israelischen Regierung gibt es ja auch schon in Deutschland Experten, die ganz klar von einem Anschlag sprechen.

Sie glauben also, dass in den kommenden Tagen auch von offizieller Seite bestätigt wird, dass die Explosion ein Anschlag war?

Ja. Die Bundesregierung sagt ja bereits, dass sie einen Anschlag nicht ausschließt.

Tunesien war bisher nicht für Terroranschläge bekannt. Hat die Ausweitung des Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern nochmal eine neue Qualität bekommen?

Der Konflikt hatte sich ja schon bis nach Europa ausgedehnt mit Anschlägen auf Synagogen in Frankreich. Hier wird von extremistischer politischer Seite der Staat Israel mit den jüdischen Gemeinden in anderen Ländern gleichgesetzt. Auch die Demonstrationen in den arabischen Staaten haben gezeigt, dass sich der Konflikt ausgeweitet hat - damals noch friedlich. Aber wo es Extremisten gibt, kann sich so ein Protest auch immer mit Gewalt ausdrücken.

Ist deshalb mit weiteren Anschlägen zu rechnen?

Ich glaube ja. Und ich glaube auch, dass wir in Europa mit solchen Anschlägen rechnen müssen. Wir müssen in Deutschland jüdische Einrichtungen schützen und sehr deutlich machen, dass wir diesen Konflikt nicht in unser Land hineingetragen haben wollen.

Hat man denn schon Indizien dafür, dass das auch in Deutschland zu befürchten ist?

Selbst wenn es keine konkreten Hinweise gibt, muss man damit rechnen. Das zeigen die Vorkommnisse in Frankreich.

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