Politik : Djindjic: Opposition einen

LONDON (rtr). Der Chef der größten serbischen Oppositionspartei, Zoran Djindjic, hält einen Sturz des jugoslawischen Staatschefs Slobodan Milosevic bei einem gemeinsamen Vorgehen aller oppositioneller Kräfte für möglich. In einem Interview des britischen Rundfunksenders BBC sagte Djindjic am Dienstag, der Streit unter den serbischen Oppositionsgruppen müsse aufhören, um einen Neuanfang machen zu können. Man müsse versuchen, eine breitangelegte Koalition der Opposition zu bilden. Alle Milosevic-Gegner müßten miteinander reden. Er glaube, eine geeinte Opposition und der Druck der Straße könnten Milosevic entmachten, betonte Djindjic.

Milosevic hält gegenwärtig nach den Worten von Djindjic ein Machtmonopol inne. Er glaube jedoch nicht, daß der jugoslawische Staatschef seine Macht langfristig behalten könne, sagte der serbische Oppositionspolitiker. US-Präsident Bill Clinton hatte die Serben am Montag zum Sturz Milosevics aufgerufen. Zuvor hatte bereits der britische Premierminister Tony Blair an die Serben appelliert, Milosevic abzusetzen.

Djindjic führt die serbische Allianz für einen Wechsel, in der Parteien und Organisationen zusammengeschlossen sind. Er hält sich gegenwärtig zu Gesprächen mit der britischen Regierung in London auf.

Ungeduldig wartet die serbische Opposition unterdessen auf die Aufhebung des vor knapp drei Monaten verhängten Kriegsrechtes, das ihre Meinungs-, Versammlungs- und Bewegungsfreiheit erheblich einschränkt. Einen Tag nach der Ankündigung der Belgrader Bundesregierung, daß das Parlament die Aufhebung formell beschließen solle, war am Dienstag noch ungewiß, wann die Sitzung einberufen wird.

Seit Ausrufung des Kriegszustandes am 24. März mit Beginn der Nato-Angriffe herrscht unter anderem Pressezensur, Verbot von Auslandsreisen und Einschränkung von Inlandsreisen. Die kleinere Teilrepublik Montenegro hatte sich der Einführung des Kriegsrechts widersetzt.

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