Politik : Doch nicht besiegt

Abu Sayyaf fügt Manilas Militär hohe Verluste zu

Moritz Kleine-Brockhoff

Manila - Wieder landet ein Hubschrauber am Flughafen von Zamboanga. Wieder mit Leichen. Soldaten zerren schwere Säcke, gefallene Kameraden liegen darin. „Sie stellten Pflicht über alles andere. Sie starben als Helden“, meint Leutnant Bartolome Bacarro, Sprecher der philippinischen Streitkräfte. Die Armee hat ihr Hauptquartier von Manila nach Zamboanga verlegt, also in den Süden. Denn vor der Hafenstadt Zamboanga liegen Basilan und Jolo, die Inseln der islamischen Abu-Sayyaf-Gruppe.

Sie führt angeblich Heiligen Krieg für einen islamischen Gottesstaat, fällt jedoch eher durch Kriminalität auf, durch Lösegeldentführungen. „Wir setzen unsere Offensive fort“, sagt die philippinische Präsidentin Gloria Arroyo. Nur fragen sich ihre Landsleute, ob nicht gerade die Abu Sayyaf in der Offensive sei. Ihre Kämpfer überfielen zusammen mit anderen Rebellen einen Militärkonvoi auf Basilan, 16 Soldaten starben, zehn wurden enthauptet. Später erschoss die Abu Sayyaf auf Jolo 25 Soldaten. Und vergangenen Samstag starben, dieses Mal wieder auf Basilan, 16 Soldaten im Kugelhagel. 20 000 Zivilisten flohen vor Gewalt.

Warum Präsidentin Arroyo am Dienstag fand, ihre Truppen hätten einen Sieg errungen, dürfte ihr Geheimnis bleiben. Offenes Geheimnis ist dagegen, dass in Militär und Volk die Unzufriedenheit steigt. 8000 Soldaten wurden mit schlechter Ausrüstung in die Berge Basilans und Jolos geschickt, zu viele kehren in Leichensäcken heim.

Die Regierung in Manila hat mit einer Rebellengruppe, der MNLF, Frieden geschlossen. Verhandelt wird mit der großen Splittergruppe MILF. „Doch mit der Abu Sayyaf werden wir nie reden, das sind Terroristen“, sagt Präsidentin Arroyo. Die verbündeten USA sehen das genauso und helfen bei der Jagd, auch mit Truppen. US-Soldaten waren ab 2002 jahrelang auf Basilan. Weil es ruhig wurde und lange blieb, glaubte man, die Abu Sayyaf sei von der Insel vertrieben. Zum augenscheinlich letzten Unterschlupf, Jolo, zogen die US-Soldaten im Februar 2006. Es folgten so viele Erfolgsmeldungen, dass die Abu Sayyaf, sie hat nur ein paar hundert Kämpfer, jüngst als quasi besiegt galt.

Anführer Kahdaffy Janjalani, Vize Abu Sulaiman, die Kommandanten Robot, Global und Hector sowie Sprecher Abu Sabaya – alle wurden erschossen. Damit ist mit wenigen Ausnahmen die Generation tot, die im Jahr 2000 die Göttinger Familie Wallert und andere Touristen entführt hatte. „Das Zentrum ist neutralisiert. Nun müssen wir dem Rest den letzten Schlag versetzen“, meinte Ende Januar Hermogenes Esperon, der oberste General der Philippinen. Es kam anders. Die Abu Sayyaf schlug zu. Und zwar mit neuer Taktik. Früher bewegten ihre Kämpfer sich in Kleingruppen, nun greifen Hundertschaften an. Das ist effektiv, macht aber auch verwundbar. Es könnte, hoffen Optimisten, eine Art letztes Aufbäumen sein. Bislang ist unklar, wie viele Rebellen bei den jüngsten Kämpfen umkamen. Die Abu Sayyaf nimmt ihre Gefallenen wenn möglich mit. Militärs sprechen von „Dutzenden getöteten Terroristen“, Videoaufnahmen könnten dies belegen, seien jedoch als geheim eingestuft worden. Die Abu Sayyaf hat dagegen, erstmals, zwei Videos veröffentlich. Auf der Internetseite Youtube bitten der Gründer der Gruppe und sein Bruder um Unterstützung. Beide Männer sind längst tot. „Warum spricht keine aktuelle Führung? Das zeigt, dass die Abu Sayyaf verwirrt ist“, meint Militärsprecher Leutnant Bacarro. Moritz Kleine-Brockhoff

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