Politik : Doerfert-Urteil: "Caritas als Selbstbedienungsladen missbraucht"

Heidi Parade

Der ehemalige Caritas-Manager Hans- Joachim Doerfert und seine beiden mitange- klagten Kollegen sind vom Landgericht Kob- lenz zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilt worden. Das Landgericht zeigte sich überzeugt, dass das Trio mit Zahlungen ohne Gegenleistungen, Scheinrechnungen, Darlehen ohne Rückzahlungsverpflichtungen, fingierten Werbe- und Beraterverträgen sowie illegalen Immobiliengeschäften rund 20 Millionen Mark zum Schaden der Caritas-Trägergesellschaft Trier (CTT) veruntreut hatte.

Im Zuge der Ermittlungen gegen den Finanzjongleur Dorfert hatte auch der damalige Bundesverkehrsminister Reinhard Klimmt (SPD) zurücktreten müssen.

Der Hauptangeklagte Doerfert, Ex-Chef der CTT, wurde wegen Untreue in 58 Fällen zu einer Gesamtstrafe von sieben Jahren und drei Monaten verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte für ihn sechs Monate mehr gefordert. Doerferts CTT-Vorstandskollege Bernhard Veit erhielt wegen Untreue in 16 Fällen zwei Jahre und acht Monate, und der Geschäftsführer der CTT-Tochter Ärztliche Abrechnung Trier GmbH (ÄAT) muss wegen Untreue in 50 Fällen für vier Jahre und drei Monate hinter Gitter. Beobachter nahmen die Höhe der Freiheitsstrafen mit Überraschung auf.

Das Urteil fiel nach 23 Verhandlungstagen, in deren Verlauf mit dem Trierer Bischof Hermann Josef Spital erstmals ein so hoher kirchlicher Würdenträger als Zeuge vernommen worden war. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass Doerfert die gemeinnützige CTT - ein Unternehmen mit über 40 Kliniken, Altenheimen und Pflegeeinrichtungen und 800 Millionen Mark Jahresumsatz - als Selbstbedienungsladen missbraucht hat und dass die Mitangeklagten wegen finanzieller Vorteile mitgemacht haben.

Das Gericht ging davon aus, dass es in Trier ein System Doerfert gegeben habe. Es erkannte an, dass der Hauptangeklagte das Unternehmen über Jahre hinweg überaus erfolgreich geleitet und sich so das Vertrauen der Kontrollorgane bis hin zum Bischof gesichert hatte. Die unausweichliche Folge: Der Ex-Manager konnte als Alleinherrscher in der CTT und ihren Tochterunternehmen schalten und walten, wie er wollte.

Doerfert starrte während der anderthalb Stunden dauernden Urteilsbegründung teilnahmslos vor sich hin, als beträfe ihn das umfangreiche Sündenregister überhaupt nicht, das der Vorsitzende Richter Hans-Georg Göttgen Punkt für Punkt vorlas. Am Ende verließ er eilig und wortlos den Gerichtssaal. Seine Verteidigung sagte, das viel zu hohe Strafmaß habe ihn betroffen gemacht. Über eine Revision werde nachge- dacht. Veits Verteidigung sprach von einem fairen Prozess. Weitere Prozesse gegen Doerfert stehen in München und Koblenz an. Dabei geht es unter anderem auch um illegale Spenden aus der CTT-Kasse an die CDU.

Öffentliches Ansehen und Prestige spielten bei Doerfert insbesondere auch beim Sponsoring von Fußballvereinen über Scheinverträge eine Rolle. Darüber stolperten als Vereinsspitze des 1. FC Saarbrücken schließlich auch Bundesverkehrsminister Reinhard Klimmt und Saar-Innenminister Klaus Meiser.

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