Doktorarbeit : Guttenberg zahlt für Ende der Plagiatsermittlungen

Karl-Theodor zu Guttenberg muss keine strafrechtlichen Konsequenzen aus der Plagiatsaffäre mehr fürchten. Gegen die Zahlung von 20.000 Euro werden die Ermittlungen gegen den ehemaligen Verteidigungsminister eingestellt.

Neuer Look, neuer Versuch. Karl-Theodor zu Guttenberg meldete sich im kanadischen Halifax zurück auf der Bühne der internationalen Politik.Weitere Bilder anzeigen
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20.11.2011 09:28Neuer Look, neuer Versuch. Karl-Theodor zu Guttenberg meldete sich im kanadischen Halifax zurück auf der Bühne der internationalen...

Für den früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat die Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit keine strafrechtlichen Konsequenzen. Die Staatsanwaltschaft Hof hat das Verfahren gegen den CSU-Politiker gegen die Zahlung einer Geldauflage eingestellt. Wie die Anklagebehörde am Mittwoch mitteilte, musste Guttenberg in Abstimmung mit dem Amtsgericht Hof 20 000 Euro an die Deutsche Kinderkrebshilfe zahlen. Zu einer gerichtlichen Hauptverhandlung kommt es deshalb nicht.

Im Urteil heißt es wörtlich: "Das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Hof gegen Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg ist abgeschlossen. Ihm lag die unerlaubte Verwertung urheberrechtlich geschützter Werke nach § 106 Abs. 1 Urheberrechtsgesetz durch die Übernahme fremder Textpassagen in seine Dissertation „Verfassung und Verfassungsvertrag. Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU“ zur Last. Nach vorheriger Zustimmung durch das Amtsgericht Hof wurde nun das Verfahren nach Zahlung einer Geldauflage von 20.000,00 € an die Deutsche Kinderkrebshilfe durch die Staatsanwaltschaft Hof gemäß § 153a Abs. 1 StPO eingestellt. Zu einer gerichtlichen Hauptverhandlung kommt es deshalb nicht."

In Guttenbergs Doktorarbeit seien 23 Passagen strafrechtlich relevante Urheberrechtsverstöße, erklärte die Behörde weiter. Der wirtschaftliche Schaden der Urheber sei aber marginal. Wegen des Verdachts auf Verstöße gegen das Urheberrecht waren 199 Strafanzeigen in Hof eingegangen.

Guttenberg war in Folge der Affäre im März als Verteidigungsminister zurückgetreten, nachdem bekanntgeworden war, dass zahlreiche Zitate in seiner Doktorarbeit nicht gekennzeichnet waren. Die Universität Bayreuth hatte ihm Vorsatz bescheinigt und den Doktortitel aberkannt.

Die Plagiatsaffäre - Guttenberg bis zum Schluss
1. März 2011: Karl-Theodor zu Guttenberg bei seinem Abgang aus dem Amt des Bundesverteidigungsministers. Die Universität Bayreuth wirft ihm Anfang Mai "vorsätzliches wissenschaftliches Fehlverhalten" vor. Er habe "die Standards guter wissenschaftlicher Praxis evident grob verletzt und hierbei vorsätzlich getäuscht."Weitere Bilder anzeigen
1 von 54Foto: Reuters
06.05.2011 14:321. März 2011: Karl-Theodor zu Guttenberg bei seinem Abgang aus dem Amt des Bundesverteidigungsministers. Die Universität Bayreuth...

Die Staatsanwaltschaft überprüfte auch, „ob eine Untreue oder ein Betrug zum Nachteil der Bundesrepublik Deutschland durch Inanspruchnahme der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages“ vorlag. Ein strafbares Verhalten habe man hier nicht feststellen können, hieß es weiter. Immer wieder waren Vorwürfe laut geworden, Guttenberg habe beim Verfassen seiner Doktorarbeit die Hilfe der Bundestags-Wissenschaftler in Anspruch genommen

Im Sommer war der Politiker mit seiner Familie in die USA ausgewandert. Dort nahm er ehrenamtlich einen Job bei der Denkfabrik für Strategische und Internationale Studien CSIS an.

Erst vor wenigen Tagen trat Guttenberg bei der bedeutendsten Sicherheitskonferenz in Nordamerika im kanadischen Halifax auf. Kurz vor seinem 40. Geburtstag sieht er jünger, frecher und privater aus. Die Brille hat er abgelegt, die Haare sind nicht mehr nach hinten gegelt, die Spitzen des kurzen Seitenscheitels hat er nach oben gezupft – was entfernt an Lothar Matthäus erinnert.

Er ist jetzt Privatier, lebt mit Frau und zwei Töchtern im US-Bundesstaat Connecticut. Auf der Konferenz wurde er als "angesehener Staatsmann" bezeichnet. Guttenberg gab sich pessimistisch über die Zukunft des Euro, sprach von einer "Verständnis- und einer Führungskrise" in Europa. Auch von der Libyen-Entscheidung distanziert er sich unüberhörbar. "Als ehemaliger Minister muss ich mich diplomatisch ausdrücken. Meine wirklichen Gefühle sehen anders aus." (Tsp/dpa)

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