Dokumentation : Chrobogs Äußerungen nach der Rückkehr

Ex-Außenstaatssekretär Jürgen Chrobog hat sich nach der Rückkehr aus dem Jemen erleichtert über das Ende des Geiseldramas gezeigt.

«Ich freue mich, mit meiner Familie gesund wieder hier in Deutschland zu sein. (...) Erlauben Sie mir, auf zwei Punkte hinzuweisen: Erstens würde ich niemals meine Familie und mich selbst im Rahmen einer Urlaubsreise einem Risiko, einem erhöhten Risiko aussetzen. (...)

Die zweite (Bemerkung) ist die: Dies war kein Angriff gegen Deutsche. Kein Angriff gegen die Touristen im allgemeinen, sondern es ging allein um eine Stammesfehde (...). Es gab auch keinerlei ideologische Hintergründe, keinen terroristischen Hintergrund und keinen religiös-fundamentalistischen Hintergrund. (...) Es gab deswegen auch keine Forderung an die Bundesregierung und insofern auch keinerlei Leistungen, Gegenleistungen der Bundesregierung. Die ist auch nie eingefordert worden (...).

Wir sind während dieser Geiselnahme anständig behandelt worden. Es begann allerdings mit einer schweren Schießerei, bei der unser Fahrer um ein Haar ums Lebens gekommen wäre. Aber danach hat sich die Lage wieder beruhigt. Wir sind sehr ehrenhaft behandelt worden. (...) Ich hatte auch nie den Eindruck, dass wir wirklich in Lebensgefahr standen. Aber es gab schon einige irrationale Momente, wo man sich durchaus als gefährdet betrachten konnte. (...)

Sie (die Entführer) haben erst genau gewusst wer wir sind durch die ausführliche Berichterstattung des Deutschen Fernsehens, wo mein Lebenslauf dargestellt wurde, wo auch dargestellt wurde, dass auch ich damals in der Algerien/Mali-Geschichte stark involviert war. Und sie meinten, wenn ich dort die Leute freibekommen konnte, müsste es auch möglich sein, die eigenen Inhaftierten frei zu bekommen. (...)

Die Regierung Jemens hat die Planung für mich durchgeführt. Sie hätte mich nie in eine Region geschickt, wo man von dort aus glaubte, dass hier ein Risiko bestand. Nein, ich war nicht leichtsinnig. Ich habe alle Hinweise befolgt, alle Vorsichtsmaßnahmen walten lassen und vertraute auf die Zusicherungen der jemenitischen Regierung. Ich mache aber ausdrücklich der Regierung keinerlei Vorwürfe. Hier ist eine Situation eingetreten, die wir alle nicht vorausgesehen haben. (...)

Von Ungeduld bis Langeweile hat sich dort alles abgespielt. Aber es war eine interessante Erfahrung. Die Erfahrung, eine andere Kultur sehr intensiv kennen zu lernen. Da meine Frau sehr gut arabisch spricht, hatten wir auch sehr gute Kontaktmöglichkeiten zu den Entführern, zu deren Familien, zu dem ganzen dörflichen Umfeld. (...)»

(tso/dpa)

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