Politik : Dominique de Villepin, ein geschliffener Diplomat

Eine Sternstunde hat Dominique de Villepin als französischer Außenminister in den Vereinten Nationen erlebt. In der Krisenzeit vor dem Irak-Krieg bezog der 51-jährige Karrierediplomat im Weltsicherheitsrat Anfang 2003 in staatsmännischem Stil gegen den Kriegskurs der USA Position.

Paris (31.05.2005, 12:48 Uhr) - De Villepin, am 14. November 1953 in der marokkanischen Hauptstadt Rabat als Sohn eines Senators geboren, ist Absolvent der französischen Elite-Hochschule ENA. Er ist im Gespräch überzeugend und von aristokratischer Haltung. Prägend waren für den Parteilosen seine Jahre in den USA, wo er bis 1989 zwei Jahre lang die Presseabteilung der französischen Botschaft in Washington geleitet hat.

Präsident Jacques Chirac machte seinen treuen Weggefährten zum Generalsekretär im Élysée-Palast, wo de Villepin von 1995 bis 2002 zu den engsten Beratern des Staatschefs gehörte. 2002 übernahm er das Außenministerium und konzipierte zusammen mit Chirac die französische Irakpolitik. Im Verfassungskonvent zur Reform der Europäischen Union (EU) definierte er ab November 2002 maßgeblich die europapolitischen Richtlinien der Regierung.

Nach dem Debakel des konservativ-liberalen Regierungslagers bei den Regionalwahlen im März 2004 (34 Prozent der Stimmen) übernahm er ohne Zögern die Nachfolge von Nicolas Sarkozy im Innenministerium. Im Vergleich zur Außenpolitik konnte de Villepin dort seine Talente nicht voll zur Entfaltung bringen. Als neuer Premierminister wird er sich in schwierige Themen wie Sozialpolitik und Haushaltsfragen erst einarbeiten müssen.

De Villepin hat in konservativen Kreisen auch Widersacher. Sein Gegner Nicolas Sarkozy ließ nicht unerwähnt, dass der Diplomat sich noch niemals einer Wahl gestellt hat. In der Tat, das Bad in der Menge ist nicht de Villepins Sache. Als Entspannung von der Politik schreibt er gern Gedichte, die in literarischen Kreisen durchaus Anklang finden. Auf sein neues Amt ist dieser unermüdliche Planer und Arbeiter längst vorbereitet. (Von Petra Klingbeil, dpa)

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