Donald Trump und ich : Protest allein aus Reflex hilft nicht

Gemeinsame Proteste gegen Donald Trump können Ängste abbauen. Wer aber demokratische Werte durch den US-Präsidenten gefährdet sieht, darf sie nicht selbst ramponieren. Ein Kommentar.

Protest gegen Trump in Berlin
Protest gegen Trump in BerlinFoto: Reuters/Pawel Kopczynski

Das macht mir Angst. Ob auf Familienfeiern, bei einem Kneipenabend mit Freunden, im Gespräch mit dem Partner, den Eltern oder den eigenen Kindern - irgendwann fällt in diesen Tagen dieser Satz. Es geht dann um Donald Trump, um Marine Le Pen, um Wladimir Putin, die AfD. Kurz, wenn es gerade um die große und kleine Politik geht, dann fallen Begriffe wie Angst, Verunsicherung und Sorge sehr oft.

Vor allem die Wahl von Trump hat Politik ins Private katapultiert, geradezu ins Familiäre, und viele stellen sich die Frage: Was mache ich jetzt, ich als Person? Kann ich überhaupt etwas tun? Jeder wird eine andere Antwort finden. Klar ist aber, dass Politik und Alltag keine getrennten Welten mehr sind.

Das waren sie noch nie. Aber es gibt in der Geschichte nur wenige Momente, in denen das so große Teile der Bevölkerung und nicht nur Menschen so sehen, die ohnehin ein hohes politisches Interesse haben. Die Folie Trump legt sich über unseren Alltag.

Das betrifft alle Bereiche und damit auch große Kultur- und Sportveranstaltungen wie jetzt am Sonntag den Super Bowl. Wird es Protestnoten gegen Trump geben? Oder Unterstützung für ihn?

Der Super Bowl ist das amerikanische Sportereignis schlechthin, bei dem sich die Nation auch selbst feiert – mit einem weltweiten Millionenpublikum. Nur was genau feiert sie? Ist das noch die große Freiheit, das große Selbstbewusstsein, der Stolz auf die eigenen Werte? Fragen, die einem in den Sinn kommen wie die erste, für manche eigentliche, wer den Super Bowl gewinnt.

Wie gehe ich mit meiner Angst um?

Was tue ich, wie gehe ich mit meiner Angst um? Sport und Kultur können eine Antwort auf diese Frage sein. Eskapismus, die Flucht in eine scheinbar von der Politik unberührte Welt, ist keine. Denn beides ist politisch, will es oft sein. In diesen Zeiten erst recht. Das wird auch bei der Berlinale zu sehen sein.

Wenn Eskapismus keine Antwort ist, ist es dann der Protest? Zumindest kann er helfen. Natürlich wird US-Präsident Trump sich von einer Demo nicht beeindrucken lassen, sei sie noch so groß. Aber sie kann persönlich helfen, Angst abbauen. Denn es treffen sich Menschen, viele, denen es ähnlich geht. Damit wird ein Zeichen gesetzt. Auch andere Formen des Protests wie Petitionen, Diskussionen können Wirkung zeigen. Nicht nur fürs eigene Wohlbefinden. Das beste Mittel ist wahrscheinlich ein ganz anderes: verstehen zu wollen. Es ist das schwierigste, anstrengendste und gerade darum hilfreichste.

Warum wurde Trump gewählt? Warum sind die USA eine zutiefst gespaltene Nation? Was hat das Ganze mit uns zu tun? Wer das verstehen will, der versteht schnell, dass es falsch ist, Menschen wie den ultrarechten Blogger und Nachfolger von Stephen Bannon auf der rechten Internetseite „Breitbart“,Milo Yiannopoulos, an der Teilnahme einer Veranstaltung der Uni Berkeley zu hindern. Es geht nicht darum, alles zuzulassen, es geht nicht um Dominanz der Beliebigkeit - es geht um eine harte argumentative Auseinandersetzung, die man zulassen muss.

Wer demokratische Werte durch Trump gefährdet sieht, darf sie nicht selbst ramponieren. Protest als Reflex hilft nicht, nur Protest nach Reflexion. Intellektuell redlich und klug handelt, wer seinen Gegner und dessen Argumente kennt. Um sie dann besser widerlegen zu können. Und sich nicht von Angst beherrschen zu lassen.

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