Donald Tusk : Überzeugter Liberaler mit Blick nach Europa

Polens Liberalen-Chef setzt auf Kooperation statt Konfrontation.

Sybille Korte

WarschauNun hat er es tatsächlich geschafft: Bei der Parlamentswahl in Polen gelang es dem liberalen Oppositionspolitiker Donald Tusk, Regierungschef Jaroslaw Kaczynski aus dem Amt zu jagen. Dabei konnte Tusks liberale Bürgerplattform nicht nur den Sieg erringen, dieser fiel auch noch sensationell hoch aus. Noch-Regierungschef Jaroslaw Kaczynski musste eine herbe Schlappe einstecken.

Diesen Coup gegen die Doppelspitze aus Jaroslaw und dessen Zwillingsbruder, Präsident Lech Kaczynski, hatte Tusk am Anfang niemand zugetraut. Doch in zwei TV-Duellen mit dem Ministerpräsidenten von der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) und mit Ex-Staatschef Aleksander Kwasniewski spielte der PO-Chef die beiden politischen Schwergewichte der Rechten wie der Linken glatt an die Wand. Tusk bewies dabei endlich den Kampfeswillen, den seine Anhänger in den ersten Wahlkampf-Wochen so schmerzlich bei ihm vermisst hatten.

Doch Tusk wusste aus bitterer Erfahrung, dass sich das Blatt noch in letzter Minute wenden kann. Schon bei der Präsidentschaftswahl vor zwei Jahren galt der PO-Chef aus Danzig als Favorit - bis ein PiS-Politiker die Behauptung lancierte, Tusks Großvater habe sich freiwillig zur Wehrmacht gemeldet. Tatsächlich tauchte ein entsprechender Wehrpass auf. Dass der Großvater kaschubischer Abstammung wahrscheinlich zum Dienst gezwungen worden war, schon bald desertierte und sich den polnischen Truppen im westlichen Ausland anschloss, ging im Wahlkampfrummel unter. In der zweiten Runde der Präsidentschaftswahl wenige Tage später jedenfalls machte Lech Kaczynski das Rennen, der Bruder des heutigen Ministerpräsidenten.

Von der anti-deutschen Karte wollte sich Tusk dieses Mal nicht aus der Bahn werfen lassen. Als Regierungschef Kaczynski dem studierten Historiker kürzlich vorwarf, vom Deutschtum in seiner Heimatstadt fasziniert zu sein, nahm Tusk den Fehdehandschuh auf: Ja, er sei prodeutsch, aber auch protschechisch, proslowakisch und sogar prorussisch. Er setze in der Außenpolitik nämlich auf Kooperation, nicht auf Konfrontation.

Sieger TV-Duell

Im Fernseh-Duell legte Tusk nach: Die Beziehungen zu Deutschland und Russland seien nach zwei Jahren PiS-Regierung so schlecht wie noch nie in den vergangenen 16 Jahren. Vor laufenden Kameras brachte der 50-jährige Liberale den bisherigen Regierungschef auch mit scharfen Fragen zur Innenpolitik mehrfach ins Schlingern. So konnte der 58-jährige Kaczynski, der sich gerne als Anwalt der kleinen Leute präsentiert, nicht richtig auf die Frage etwa nach den jüngsten Preiserhöhungen für Brot oder Geflügel antworten. Von ehemaligen Kommunisten wie Kwasniewski distanziert sich Tusk ebenso deutlich wie Kaczynski.

Tusk engagierte sich in Danzig schon als Student in der anti-kommunistischen Oppositionsbewegung. Noch vor der Wende gründete er ein eigenes Malerunternehmen und griff selber zum Pinsel, weil er als Oppositioneller keine andere Arbeit bekam. Seit seiner Jugendzeit ist Tusk überzeugter Liberaler. Nach der demokratischen Wende 1989 gründete er mit Freunden in Danzig eine liberale Bewegung, den späteren Liberaldemokratischen Kongress (KLD). Privatisierung der staatlichen Industrie lautete die Devise. Nach einer Wahlniederlage 1993 schloss sich Tusk mit seiner Partei der Freiheitsunion an. 2001 verließ er sie wieder und gründete mit jungen Liberalen die Bürgerplattform, deren Vorsitzender er bis heute ist.

Bei öffentlichen Auftritten wirbt der PO-Chef für ein weltoffenes und proeuropäisches Polen, das in der EU ebenso erfolgreich sein werde wie Irland. Polen brauche weniger Staat und mehr Unternehmer, lautet sein Credo. "Ich kenne ein Rezept, Irland an der Weichsel zu schaffen", stichelte der PO-Chef in der TV-Diskussion mit dem Regierungschef. Und er wisse auch, wie es gelinge, "die Leute nicht ins Ausland zu verjagen". (mit AFP)

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben