Politik : "Donum Vitae" hat Startprobleme

Martin Gehlen

Ernüchterung macht sich breit. Die öffentliche Empörung über den von Papst Johannes Paul II. erzwungenen Ausstieg der Deutschen Bischofskonferenz aus der staatlichen Schwangerschaftsberatung ist verdampft, ebenso wie die Sympathien und Solidaritätsbekundungen für die Kritiker der römischen Linie. Stattdessen sehen sich die Initiatoren des Laienvereins "Donum Vitae", der die katholische §-218-Beratung im Gewand eines ordentlichen Vereins fortführen will, von der rauhen Wirklichkeit eingeholt. "Wir brauchen einen langen Atem", bekannte jetzt der neue Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Stefan Vesper, nach den Erfahrungen der ersten Monate. Magere 300 000 Mark sind bislang auf dem Konto von "Donum Vitae" eingegangen, viel zu wenig, um ein neues katholisch geprägtes Beratungsangebot aufzubauen, geschweige denn zu unterhalten.

In Rheinland-Pfalz, Bayern, dem Saarland und Baden-Württemberg hat der vom ZdK initiierte Verein bereits Landesverbände gegründet, Niedersachsen soll noch im Februar folgen. Aber selbst wenn die Landesregierungen "nach wohlwollender Prüfung" zu dem Schluss kommen sollten, die neuen Beratungsstellen von "Donum Vitae" zu fördern, müsste der Verein rund 30 bis 40 Prozent der Unterhalts- und Personalkosten selber beisteuern. Wie diese Millionensummen zusammenkommen soll, steht in den Sternen, auch wenn die Laieninitiative jetzt mit einer Spendenkampagne in die Offensive gehen will.

Die deutschen Bischöfe ziehen derweil die Papstlinie kompromisslos durch. In einem Brief an den Sozialdienst katholischer Frauen (SkF), bezeichnete der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann, deren Bitten, die Konfliktberatung trotz des Papstbriefs weiter zu dulden, als "nicht realistisch". Weil zu befürchten stand, dass die Oberhirten notfalls den Geldhahn ganz zudrehen würden, beugte sich der Frauenverband, der bislang die meisten katholischen Beratungsstellen unterhalten hat. Letzte Woche gab der SkF seinen endgültigen Ausstieg aus dem staatlichen System bekannt. Im Bistum Paderborn dürfen SkF-Beraterinnen auf Weisung von Bischof Joachim Degenhardt bereits seit dem 1. Januar keine Scheine mehr ausstellen, welche eine straffreie Abtreibung ermöglichen. In Speyer ist es am 1. April so weit, in Köln soll der Ausstieg Mitte des Jahres anstehen. In den meisten übrigen Diözesen gibt es Übergangsfristen bis Ende des Jahres.

Um nicht in einen chronischen Dauerkonflikt mit der Kirchenhierarchie zu geraten, will der SkF künftig auch jegliche Zusammenarbeit mit "Donum Vitae" meiden. "Wir werden unser Konzept neu überdenken und unter anderem die Jugendhilfe, Mutter-Kind-Hilfe, Sexualaufklärung und die Beratung zur Pränataldiagnostik verstärken", hieß es zur Begründung. "Dafür brauchen wir künftig alle unsere Beraterinnen."

"Mit Respekt und Bedauern" reagierte die "Donum Vitae"-Vorsitzende Rita Waschbüsch auf den Schritt des SkF, um sogleich klarzustellen: "Donum Vitae ist ein Verein, der mit den Bischöfen nichts zu tun hat." Von der Papstweisung seien nur die Bischöfe als kirchliche Amtsträger betroffen, nicht aber Laien oder - wie hier - ein bürgerlicher Verein von Katholiken. Denn nur für die Bischöfe gebe es eine besondere Gehorsamsverpflichtung. "Wir erwarten von den Bischöfen eine Haltung des Respekts", fügt sie hinzu. "Schließlich wir tun das, was sie selbst für richtig hielten" - hatte doch die Deutsche Bischofskonferenz vor dem endgültigen Machtwort aus Rom mit überwältigender Mehrheit für einen Verbleib im staatlichen Beratungssystem votiert.

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