Down-Syndrom : Heftige Kritik an Schavan

Weil Forschungsministerin Annette Schavan Frühtests auf das Down-Syndrom fördert, ist bereits von "Behinderten-Diskriminierung in der schlimmsten Form" die Rede - und zwar in der Union.

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Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) steht in der eigenen Partei in der Kritik - jetzt auch wegen ihrem Vorschlag, Frühtests auf das Down-Syndrom zu fördern.
Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) steht in der eigenen Partei in der Kritik - jetzt auch wegen ihrem Vorschlag, Frühtests...Foto: dpa

Mit der Förderung eines Schwangerschaftsfrühtests auf das Down-Syndrom hat sich Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) heftige Kritik aus den eigenen Reihen zugezogen. "Das ist Behinderten-Diskriminierung in der schlimmsten Form", sagte der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Hubert Hüppe, dem Tagesspiegel. Bei dem mit 230 000 Euro geförderten Verfahren der Konstanzer GATC Biotech AG gehe es „nicht um Therapie, sondern um Selektion“, erklärte der CDU-Politiker. Da Menschen mit Down-Syndrom nicht therapierbar seien, handle es sich ganz offensichtlich um „Rasterfahndung, mit dem einzigen Ziel, Menschen mit Behinderung auszusortieren und zu töten“. Dies mit öffentlichen Geldern zu fördern, sei „nicht hinnehmbar“.

Er könne die Entscheidung des Ministeriums auch deshalb nicht verstehen, sagte Hüppe, weil sich Schavan nahezu zeitgleich im Juli dieses Jahres im Bundestag gegen Gentests an Embryonen gewandt hatte – zusammen mit Kanzlerin Angela Merkel. Bei der Debatte über das Für und Wider der Präimplantationsdiagnostik (PID) hätten alle Abgeordneten und Regierungsmitglieder den Wert behinderten Lebens betont, erinnerte auch der Bundesvorsitzende der Behinderten-Vereinigung Lebenshilfe, Robert Antretter. Mit der Förderung des neuen Tests werde „de facto vermittelt, dass es behindertes Leben zu verhindern gilt“. Darin sehe er „einen deutlichen Widerspruch“. Die neue Methode werde „aller Voraussicht nach dazu führen, dass noch mehr Kinder mit Down-Syndrom abgetrieben werden“, prophezeite Antretter. Schätzungen zufolge führen positive Tests auf Trisomie 21 schon jetzt in mehr als 90 Prozent der Fälle zum Schwangerschaftsabbruch. Dabei bestehe durch das Down-Syndrom keine Gefahr für Mutter und Kind, die eine Abtreibung rechtfertige, sagte Hüppe. Auch ein „Leiden“ von Betroffenen sei nicht feststellbar. Die Kinder seien „nur anders veranlagt, sie haben ein Chromosom mehr“.

Das Ministerium lobt den Test auf seiner Internetseite: Der große Vorteil sei „das geringe Risiko für Kind und Mutter“. Bei dem Test, den die GATC Biotech AG zur Zeit entwickle, genüge „eine Blutprobe von zehn Millilitern, die einfach aus den Armvenen der Mutter gewonnen wird“. Vergleichbare Klarheit könne bisher „nur eine Untersuchung des Fruchtwassers bringen, die jedoch mit dem erheblichen Risiko einer Fehlgeburt einhergeht“, sagte ein Sprecher. Angesichts von 31 000 Untersuchungen im Jahr wäre eine ebenso sichere Alternative ohne Fehlgeburtsrisiko „wünschenswert“.

Auf den ersten Blick sei das verminderte Risiko ein großer Vorteil, sagte der Europapolitiker Peter Liese (CDU). Allerdings werde dadurch der Druck auf schwangere Frauen „zunehmen und der Wert behinderten Lebens weiter infrage gestellt“. Die Förderung ärgere ihn „besonders vor dem Hintergrund, dass viele gute Forschungsprojekte wegen der angespannten Haushaltslage nicht unterstützt werden“.

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