Politik : Drahtzieher des 11. September gefasst

Khalid Scheich Mohammed in Pakistan festgenommen / Enger Vertrauter bin Ladens / FBI beteiligt

Frank Jansen

Islamabad/Berlin. Pakistanische Sicherheitskräfte haben einen der mutmaßlichen Chefplaner der Al Qaida und Drahtzieher der Anschläge vom 11. September festgenommen. Der Kuwaiter Khalid Scheich Mohammed wurde zusammen mit zwei weiteren Al-Qaida-Leuten in der Großstadt Rawalpindi überwältigt. Beteiligt war auch die US-Bundespolizei FBI. Khalid Scheich Mohammed gilt als einer der fünf „Top Lieutenants“ von Osama bin Laden. Auch an der Vorbereitung des Anschlags auf der tunesischen Ferieninsel Djerba soll er mitgewirkt haben. Bei dem Attentat kamen 14 Deutsche ums Leben.

Der pakistanische Informationsminister Scheich Rassid Ahmed bestätigte gegenüber dem US-Fernsehsender CNN die Festnahme des Kuwaiters Khalid Scheich Mohammed. Er sei zusammen mit zwei Komplizen im Haus eines Mitglieds einer islamistischen Organisation gestellt worden. Die Festnahme sei für die drei Männer überraschend gekommen. Es habe keinen Schusswechsel gegeben, hieß es in Islamabad. Sicherheitsexperten in Pakistan sprachen von einem „großen Durchbruch“ in der Fahndung nach Al-Qaida-Terroristen. Die Amerikaner führen den 1964 oder 1965 geborenen Mohammed auf der Liste der 22 „most wanted terrorists“. Für Hinweise zu seiner Ergreifung hatte das FBI eine Belohnung von 25 Millionen Dollar ausgesetzt. Pakistan kündigte an, ihn an die USA auszuliefern.

Im vorigen September, fast auf den Tag genau ein Jahr nach dem Terrorangriff auf die USA, rechtfertigte Khalid Scheich Mohammed in einem Interview mit dem arabischen Fernsehsender Al Dschasira die verheerenden Anschläge. An dem Gespräch nahm auch Ramzi Binalshibh teil, der von Hamburg aus zusammen mit der Gruppe um Mohammed Atta die Selbstmordflüge vorbereitet hatte. Nur wenige Tage später konnten pakistanische Sicherheitskräfte Binalshibh in Karatschi überwältigen. Mohammed gelang damals die Flucht. Binalshibh, den die Amerikaner vermutlich auf einem Kriegsschiff gefangen halten, soll in den Verhören Khalid Scheich Mohammed schwer belastet haben. Demnach traf sich der Kuwaiter Ende des Jahres 2000 in Afghanistan mit dem Franzosen Zaccarias Moussaoui, der bei den Selbstmordflügen als 20. Mann vorgesehen war. Moussaoui wurde jedoch vor dem 11. September in den USA festgenommen.

Amerikanische und deutsche Sicherheitsbehörden machen Khalid Scheich Mohammed auch für den Anschlag auf Djerba verantwortlich. Der tunesische Attentäter soll Khalid Scheich Mohammed nur wenige Stunden vor dem Attentat angerufen haben. Der Kuwaiter befand sich damals auch in Pakistan. Durch den Anschlag auf die Synagoge Al Ghriba kamen 21 Menschen ums Leben, unter ihnen 14 deutsche Touristen.

Mitte der neunziger Jahre soll Mohammed von der philippinischen Hauptstadt Manila aus eine Serie von Anschlägen auf US-Passagiermaschinen geplant haben. Getroffen werden sollten Flugzeuge auf Routen zwischen den USA und Südostasien. Sicherheitsbehörden konnten jedoch die Anschläge verhindern. Im Januar 1996 wurde Mohammed in Abwesenheit vor einem New Yorker Gericht wegen der geplanten Attentatsserie angeklagt. Der Kuwaiter ist die dritte Führungsfigur aus dem engsten Kreis um bin Laden, die in Haft geriet. Im März 2002 nahmen pakistanische Spezialeinheiten den „Personalchef“ der Al Qaida, Abu Subaidah, fest. Er soll in Verhören Angaben zu verübten und geplanten Attentaten gemacht haben. Im November stellten die Amerikaner Abd Al Rahim Al Nashiri, mutmaßlicher „Einsatzleiter“ der Al Qaida für Angriffe am Persischen Golf. Ihm wird vorgeworfen, er habe den Anschlag auf das US-Kriegsschiff „Cole“ im Jahr 2000 geplant. Außerdem soll er an den Anschlägen auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania 1998 mitgewirkt haben.

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