Drehscheibe Wien : Ein Ort für Agenten

Es ist wohl kein Zufall, dass die USA und Russland in der spektakulären Spionageaffäre ausgerechnet Wien als Schauplatz ihres Agentenaustauschs gewählt haben. Die österreichische Hauptstadt ist seit jeher ein Magnet für Spione aus aller Welt.

Dem Wien zur Zeit des Kalten Krieges hat der berühmte Agententhriller „Der dritte Mann“ mit Orson Welles in einer der Hauptrollen ein Denkmal gesetzt.

Der Kalte Krieg ist seit 20 Jahren vorbei, doch auch heute finden Spione aus Ost und West in Wien einen Ort, an dem sie relativ unbehelligt ihrer geheimen Tätigkeit nachgehen können.

„Österreich ist immer noch ein bevorzugter Ort für Agenten“, sagte Siegfried Beer, Leiter des Zentrums für Geheimdienst, Propaganda und Sicherheitsstudien ACIPSS in Graz, nach dem Mord an einem tschetschenischen Oppositionellen im vergangenen Jahr. Dieser war in Wien auf offener Straße erschossen worden, die Ermittler halten eine Verwicklung offizieller Stellen in Tschetschenien für möglich.

Die Spione seien den Behörden oft bekannt, würden aber selten in ihrer Tätigkeit behindert, sagte Beer. „Alles wird mit Wohlwollen und Diplomatie geregelt. Da gibt es hier eine lange Tradition.“ Nach Einschätzung von Experten hat Wien als Drehscheibe zwischen West und Ost weltweit mit die höchste Agentendichte. In der Stadt an der Donau, Sitz zahlreicher internationaler Gremien wie der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) und der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO), wohnen nicht weniger als 17 000 Diplomaten. Ungefähr die Hälfte von ihnen hat nach Einschätzung Beers Verbindungen zu den Geheimdiensten.

Auch das österreichische Innenministerium rechnet offensichtlich vorerst nicht mit einem Ende der regen Agententätigkeit: „Österreich ist nach wie vor ein bedeutender Einsatzraum für fremde Nachrichtendienste und fungiert als logistischer Knotenpunkt. Die Zahl der Nachrichtendienstoffiziere bewegt sich weiterhin auf einem überproportional hohen Niveau“, heißt es im Verfassungsschutzbericht 2010. AFP/Tsp

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