Politik : Drei Asse sind noch im Spiel

Nach der Festnahme von Saddams Sekretär glauben die USA, dem Diktator auf der Spur zu sein

Deike Diening

Vielleicht kann er ihnen sagen, wo Saddam Hussein zu finden ist – tot oder lebendig. Nah genug dran war er jedenfalls: Die Amerikaner haben Saddams „Schatten“ gefangen genommen, General Abid Hamid Mahmud al Tikriti. Lange Zeit galt: Wo er zu finden ist, kann der Diktator nicht weit sein. Der General war Saddams Privatsekretär und soll sein engster Vertrauter gewesen sein. Auch als Leibwächter und Pilot tat er Dienst. Seit Montag ist der General in der Hand der Amerikaner und in jeder Hinsicht das erste Ass, das gezogen wurde. Denn um die 55 wichtigsten Iraker zu finden, hat Washington ein Kartenspiel entwickelt, das an die US-Soldaten verteilt wurde. Auf jeder Karte ist ein Gesuchter abgebildet. General Abid Hamid ist in dem Kartenspiel das Karo Ass – und auf der Liste die Nummer vier. Der ranghöchste Fang bislang. Die anderen drei Asse im Spiel sind Saddam selbst und seine Söhne Udai und Kusai.

Nachdem das US-Zentralkommando am 12. April die Liste der Top 55 herausgegeben hatte, verging zunächst kaum ein Tag, an dem nicht einer der Gesuchten als gefangen gemeldet wurde. Doch standen sie eher auf den hinteren Plätzen. Am 25. April verkündete das amerikanische Verteidigungsministerium, der irakische Vize-Regierungschef Tarik Asis sei in seiner Hand. Die Nummer 25 der Fahndungsliste hatte sich allerdings selbst gestellt. Verteidigungsminister Rumsfeld sagte bei dieser Gelegenheit: „Die meisten werden mit der Hilfe irakischer Zivilisten aufgegriffen. Und ich erwarte, dass mit Hilfe der Bevölkerung in den nächsten Tagen noch viel mehr gefunden werden.“ Neun Personen wurden im Mai festgenommen – die höchstrangige war die Nummer acht. Am 12. Juni meldete der irakische Zivilverwalter Paul Bremer aus Bagdad, dass mehr als die Hälfte der 55 Top-Gesuchten tot oder in Haft sei. Aber nur zehn Personen gehören zu den wirklichen Top-Funktionären des Regimes. Die einzige Frau unter den Gesuchten wurde auch schon gefunden: die Biologin Huda Salih Mehdi Ammash.

Mit der Liste und dem Kartenspiel haben sich die USA ein handhabbares Suchinstrument geschaffen, sich aber zugleich unter Erfolgsdruck gesetzt, die genannten Personen auch zu finden oder glaubhaft deren Tod nachzuweisen. Dass es nicht ausreicht, die Liste abzuarbeiten, um Stabilität zu schaffen, zeigen das Chaos in den Städten und die Angriffe auf US-Soldaten. Nach Angaben des Pentagon kamen seit dem Ende der Hauptkampfhandlungen Anfang Mai 16 US-Soldaten ums Leben. Am Donnerstag wurden wieder drei amerikanische Soldaten erschossen. Zuvor war bei einem Granatenangriff auf einen US-Stützpunkt in der Stadt Samarra ein Iraker getötet und zwölf verletzt worden.

Rumsfeld spielte die Angriffe gegen US-Truppen herunter. Er vermutet dahinter versprengte Reste des Regimes, aber keinen organisierten Widerstand. US-Präsident Bush hat unterdessen einen arabischstämmigen General als neuen Oberbefehlshaber der US-Truppen im Irak nominiert. John Abizaid soll General Tommy Franks an der Spitze des Zentralkommandos ablösen. Abizaid, dessen Familie aus Libanon stammt und der in Kalifornien geboren wurde, studierte Orientalistik an den Universitäten in Harvard und Amman und spricht Arabisch.

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