Politik : Drei Deutsche in Malaysia verschleppt

Die Regierung vermutet moslemische Extremisten als Täter. Insgesamt wurden 20 Geiseln entführt

Für drei deutsche Touristen aus Göttingen hat der Urlaub auf einer kleinen Trauminsel in Malaysia ein schreckliches Ende genommen: Die beiden Männer und eine Frau wurden am Osterwochenende zusammen mit anderen Urlaubern aus dem Hotel auf Sipadan vor der Ostküste Borneos entführt. Schwer bewaffnete Geiselnehmer überfielen sie beim Abendessen, verschleppten sie in Boote und rasten mit ihnen in noch unbekannter Richtung davon. Die Behörden in Malaysia und philippinische Offizielle vermuten einen politischen Hintergrund der Geiselnahme.

Die Touristen seien unversehrt, sagte Malaysias Außenminister Syed Hamid Albar der malaysischen Nachrichtenagentur Bernama, ohne jedoch Einzelheiten zu nennen. "Wir glauben stark an ein politisches Motiv", sagte der Polizeichef des Landes, Norian Mai, am Montag in Malaysias Hauptstadt Kuala Lumpur. Möglicherweise seien moslemische Extremisten der philippinischen Abu-Sayyaf-Guerilla in die Entführung verwickelt. Die Behörden vermuten, dass die Kidnapper mit ihren insgesamt 20 Geiseln in Richtung der Philippinen geflohen sein könnten. Über ihre Forderungen wurde zunächst nichts bekannt.

Das Auswärtige Amt in Berlin richtete einen Krisenstab ein. Bei den anderen 17 Geiseln handelt es sich laut Bernama um zwei Franzosen, zwei Südafrikaner, zwei Finnen, einen Libanesen und Einheimische, die zufällig vor Ort waren. Darunter seien auch ein Polizist und Hotelpersonal.

Die vermutlich sechs Geiselnehmer waren den Angaben zufolge mit russischen Schnellfeuergewehren und einer Panzerfaust bewaffnet, als sie das Hotel bei strömenden Regen auf der Insel in einem beliebten Tauchrevier am Sonntagabend stürmten. Doch seien bei der Entführung keine Schüsse gefallen und keine Geisel verletzt worden, sagte Polizeichef Norian. Küstenboote der malaysischen Marine hätten sofort die Verfolgung aufgenommen.

Auch der philippinische Verteidigungminister Orlando Mercado vermutet Moslemrebellen hinter der Tat. Die Abu Sayyaf-Guerilla ist die kleinste, aber gewälttätigste von mehreren Rebellengruppen, die auf der südlichen Philippinen-Insel Mindanao um einen unabhängigen islamischen Staat kämpfen. Ihr werden Morde, Bombenanschläge und Erpressungen zur Last gelegt. Am Samstag hatte das philippinische Militär eine Offensive gegen die Gruppe gestartet.

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