Drei Fragen an Josef Joffe : Die Welt reicht Putin Appetithäppchen

Was macht die Welt?, fragen wir auch in dieser Woche den Zeit-Herausgeber Josef Joffe. Die Logik von "Waffen auf keinen Fall" versteht er aber selbst nicht.

von
Joffe
"Zeit"-Herausgeber Josef Joffe.Foto: promo

Waffen für die Ukraine – eine gute Idee?

WmdW versteht nicht die Logik von „Waffen auf keinen Fall“. Es sind ja schon Waffen in der Südost-Ukraine, und zwar moderne und erfolgreiche russische. „Keine Waffen“ für Kiew heißt: „Wir helfen euch nicht bei der Selbstverteidigung.“ Weil das „Eskalation“ sei. Bloß haben die Russen eskaliert als sie sich die Krim griffen und nun einen souveränen Staat auseinandernehmen. Eigentlich lautet die Botschaft: „Wir wollen wegen Kiew keinen Konflikt mit Moskau riskieren.“ Da nickt Putin freudig. So hat er gewettet, und so hat er gewonnen. Solche Partien haben nur ein Problem: Sie stillen nicht den Appetit, sondern schärfen ihn. Die Regierung Merkel hätte klüger agiert, hätte sie gesagt: „Keine Waffen jetzt, um Verhandlungen eine Chance zu geben, aber ...“

Die IS-Miliz zieht Jordanien immer weiter in den Krieg. Wie stabil ist das Land?
Ultra-stabil. Obwohl etwa die Hälfte des Volkes palästinensischen Ursprungs ist, hat König Hussein 1970 den Putsch der PLO grausam zurückgeschlagen. Er hat Syrien abgewehrt, diverse Attentate überlebt. Dennoch hat er seine stille Allianz mit Israel sowie mit Amerika bewahrt. Sein Sohn Abdallah ist ein aufgeklärter Monarch, der einzige in Nahost. Er trägt die Hauptlast der Flüchtlinge aus Syrien und Irak. Irgendetwas machen die Haschemiten richtig, obwohl ihnen seit sechzig Jahren der Untergang prophezeit wird. Sicher ist jedenfalls: Da Abdallah einer Kultur angehört, die nicht die andere Wange hinhält, wird er sich für das Verbrennen eines Piloten bei lebendigem Leibe rächen.

Franziskus plaudert, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Darf das ein Papst?
Na ja, Franz ist eben ein Mann des Volkes, der die Beleidigung seiner Mutter mit einem Faustschlag beantworten würde. Jetzt bezeichnet er als guten Vater jenen, „der zurechtweisen kann, ohne zu demütigen“ – woraus der britische „Guardian“ eine Empfehlung zum Schlagen von Kindern gemacht hat. Das nennt man im Mediengeschäft „zuspitzen“. Der geneigte Leser möge immer genau hinsehen. Manchmal kann man den Medien alles glauben, außer Namen, Daten und Zitaten. Erst hinhören, dann empören.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: Malte Lehming.

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