Drei Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Den Türken mehr Geld geben, das iPhone knacken, die Hände ringen und in Zukunft auf Vorhersagen zu Trumps Erfolg verzichten.

von
Josef Joffe.
Josef Joffe.Foto: Tsp

Die Türkei soll Merkels Flüchtlingspolitik retten – ein guter Plan?

Im Prinzip ja, in der Praxis zeigt es sich, dass Ankara viele Süppchen kocht und nicht unbedingt den Büttel für Almanya spielen will, indem es zusätzlich zu den 2,6 Millionen bereits beherbergten Flüchtlingen noch weitere aufnimmt. Zumal der importierte Terror längst auch in der Türkei wütet. Berlin wird die zugesagten drei Milliarden Euros kräftig aufstocken müssen. Wie aber Putin bestechen, dessen Bombardement in Syrien nunmehr die Hauptursache des Flüchtlingsstroms ist? Eine geniale Strategie: Die Bomben halten Assad an der Macht und treiben Flüchtlinge westwärts, die Europa destabilisieren.

FBI streitet mit Apple: Was ist wichtiger – Terrorbekämpfung oder Datenschutz?

Die beste Antwort lieferte der Philosoph Pu der Bär, als er gefragt wurde, was er lieber auf dem Brot hätte – Honig oder gezuckerte Kondensmilch? „Beides.“ Apple hat recht, wenn es keinen Generalschlüssel herausrücken will, der zu allen iPhones passt. Der FBI hat recht, wenn er Zugang zum Phone des erschossenen Terroristen Syed Farook fordert, der in San Bernardino 14 Menschen umgebracht hat. Womöglich stecken darin die Namen von Komplizen. Es dürfte für die Cracks von Cupertino kein Problem sein, das iPhone in diesem spezifischen Fall aufzusperren. Der unabdingliche Gerichtsbeschluss liegt vor.

In der Ukraine zerfällt die Regierung – ist das Land noch zu retten?

Unter den vielen Krisen, die Europa bedrängen, liegt die Ukraine in der Tragikskala an der Spitze: ein Land, das die Diktatur abgeschüttelt hat und seitdem de facto von Putin aufgeteilt wird, während der Westen die Hände ringt. Und jetzt noch die Oligarchen, denen ihr Volk egal ist, solange die Kasse stimmt. Die leben von der Korruption und torpedieren deshalb die vom Westen geforderten Reformen. Als wenn die massenmörderische Unterwerfung durch Stalin und Hitler nicht gereicht hätte.

Ein Wort zu Donald Trump...

Ach, WmdW hat sich schon oft geirrt, als er den aufhaltsamen Aufstieg des Donald Trump beschwor. Spätestens die Vorwahlen in South Carolina hätten ihn stoppen müssen. Denn dieser Staat bildet das politische Profil des Landes besser ab, als es Iowa und New Hampshire tun. Pustekuchen. Trump siegte. Daher keine Voraussagen mehr; nur der Umfragestand von heute, wonach Trump im November sowohl gegen Sanders (ganz links) als auch Clinton (halblinks) verlieren würde. Die Parteigrößen der Republikaner wissen das, die Trump-Fans kümmert es nicht. Viel Glück auf dem Konvent, wenn Trump mit den meisten Delegierten einmarschiert.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mal

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