Politik : Drei Tauben

Esther Kogelboom

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Was tun eigentlich die Herren und Damen den ganzen Tag, die vor Synagogen und Botschaften Wache schieben? Was machen sie, wenn sämtliche Neuigkeiten bezüglich Weltgeschehen, Familie und Urlaub aufgebraucht sind? Ganz klar, Natur beobachten. Zusehen, wie die Miniermotte sich über die Kastanie hermacht. Wie die Töle von nebenan sich an deren Stamm entleert. Niemand bekommt den Wechsel der Jahreszeiten und Stimmungen besser mit als Wachmänner und -frauen. Zum Beispiel die beiden Herren vor der amerikanischen Botschaft, Höhe Sicherheitsschleuse. Sie passen auf. Ganz ohne Zweifel: Ein schöner, ruhiger Herbstmittag. Überall tonnengroße Poller, die Autos und Bussen die Durchfahrt versperren – mitten im Herzen der Stadt herrscht fast vollkommene Ruhe. Da sagt der eine Beamte zum anderen: „Kiek ma, die Taube.“ Auf einem offenbar legal parkenden Auto hat sich eine bräunliche Metropolentaube niedergelassen und sonnt sich. „Wa“, sagt sein Kollege, „die hat sisch det hier so rischtisch bequem jemacht.“ „Hm“, erwidert die erste Sicherheitskraft. Wieder Stille.

Tauben hat auch Friedbert Pflüger gesichtet, der Unions-Außenpolitiker, der gerade in jenem Land war, das die geschützte Botschaft vertritt. Nach seinen Gesprächen im Pentagon und im Weißen Haus berichtet Pflüger: „Der Kanzler ist aus der Schusslinie raus!“ Allein Paris bekomme Amerikas Irak-Ärger ab. Pflüger spricht in Raum 3114 des Jakob-Kaiser-Hauses. Davor, auf dem Metall-Geländer, landet – eine Taube!

Vielleicht sind lebende Tauben auf Autodächern, Geländern und in US-Ministerien wirklich besser als der sprichwörtliche Spatz in der Hand.

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