Dresden : Bäume fallen für die Waldschlößchenbrücke

Im Unesco-Welterbe Dresdner Elbtal hat sich heute Widerstand gegen die Baumfäll-Arbeiten für den Bau der Waldschlößchenbrücke formiert. Die Demonstranten versammelten sich rund um die letzten alten Eichen zu einer Sitzblockade. Die Polizei schritt ein.

Marion van der Kraats,Petra Stutz[dpa]
Elbtalbrücke
Polizisten tragen die Demonstranten weg. -Foto: dpa

DresdenDramatische Szenen an der Baustelle für die Waldschlößchenbrücke im Unesco-Welterbe Dresdner Elbtal: Rund 400 Menschen demonstrierten gegen die Baumfäll-Arbeiten für den umstrittenen Brückenbau. Einige weinten und hielten sich an den Händen oder umarmten sich. Die Polizei begleitete die Protestaktion einem massiven Aufgebot und trug einige der Demonstranten weg. "Hier werden mit Brachialgewalt Fakten geschaffen", sagte ein junger Mann fassungslos vor der Geräuschkulisse kreischender Sägen. "Nicht Bäume - sägt Milbradt ab", laute die Aufschrift auf dem roten Overall einer Frau, die damit die Politik von Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) kritisierte. "Die Bäume haben die Bombardierung amerikanischer und britischer Streitkräfte am 13. Februar 1945 überstanden - aber diese Regierung nicht", sagte eine ältere Frau leise.

Die Baumfäll-Arbeiten für den umstrittenen Brückenbau hatten am Morgen begonnen. Die Beseitigung der letzten alten Eichen soll weitere Baufreiheit für den Brückenbau schaffen. Ein Versuch der Grünen Liga Sachsen, die Aktion in letzter Minute zu stoppen, scheiterte. Das Verwaltungsgericht Dresden hatte am Freitag grünes Licht für die Fällarbeiten gegeben. Gegen diesen Beschluss kann beim Sächsischen Oberverwaltungsgericht (OVG) Beschwerde eingelegt werden.

"Demonstration der Macht"

Die Bäume wurden jedoch wie geplant gefällt - ohne die weitere juristische Auseinandersetzung abzuwarten. Dies empfanden viele Dresdner als Hohn. "Das ist eine reine Demonstration der Macht", kritisierte Christiane Filius-Jehne von den Grünen im Dresdner Stadtrat. Die Fraktion unterstützt die Initiative "Welterbe erhalten". Filius-Jehne kritisierte Ministerpräsident Milbradt, der sich zuletzt für leichte Änderungen an der Brücke offen gezeigt hatte. Die Baumfäll-Arbeiten machten deutlich, was von seinen Worten zu halten sei. "Das hier ist die Wahrheit", sagte sie.

Die Bauarbeiten hatten am 19. November begonnen. Die Unesco wird Dresden wegen der Brücke den erst 2004 verliehenen Welterbe-Titel im kommenden Jahr voraussichtlich aberkennen. Die UN-Kulturorganisation sieht die Schönheit der Flusslandschaft verschandelt. Der Freistaat beharrt auf dem Bau und beruft sich auf einen Bürgerentscheid pro Brücke aus dem Jahr 2005. Das OVG hatte einen im August aus Naturschutzgründen verhängten Baustopp aufgehoben und Auflagen für den Brückenbau erteilt. Allerdings geht Anfang 2008 der Rechtsstreit im Hauptsacheverfahren vor dem Verwaltungsgericht Dresden weiter.

Auch die Brückengegner setzen ihren Protest fort. Für morgen erwartet die Bürgerinitiative Literaturnobelpreisträger Günter Grass an der Baustelle. Am Montag ist wieder eine Demonstration an der Frauenkirche geplant. Am vergangenen Montag hatten 2000 Menschen für den Erhalt des Welterbes demonstriert. Mitglieder der Bürgerinitiative entzünden seit Tagen allabendlich ein Mahnfeuer an der Brückenbaustelle.

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