Politik : Dresden: "Er soll sich zum Teufel scheren"

Ralf Hübner

"Dresden braucht einen intelligenten Bürgermeister", sagt die junge Frau, und das sei weder Herbert Wagner (CDU) noch Ingolf Roßberg (FDP). Einen Tag, nachdem der Dresdner Ex-SED-Oberbürgermeister Wolfgang Berghofer seine Kandidatur für den zweiten Wahlgang der Oberbürgermeisterwahlen angekündigt hat, läuft die Sammlung von Unterstützungsunterschriften im Rathaus auf Hochtouren. Am frühen Nachmittag sind 170 Unterschriften beisammen, bis zum Abend müssen es 240 werden. Dieses erste Ziel wird er locker erreichen.

Doch es sind nicht nur Anhänger Berghofers, die ihm per Unterschrift noch die Wahl-Teilnahme ermöglichen. Sie wolle, dass Berghofer dem Roßberg Stimmen "mopse", damit Wagner gewinne, formuliert eine ältere Dame. Sie spricht aus, was im Roßberg-Lager als ausgemachte Sache gilt. Berghofer trete nur an, um die Abwahl von CDU-OB Herbert Wagner zu verhindern, schimpft Dresdens PDS-Chef Michael Schrader. "Ein abgekartetes Spiel." Dabei hatte die PDS Anfang Mai bis zuletzt gewartet, um eine Kandidatur Berghofers zu unterstützen.

Doch der Umworbene sagte ab. Begründung: Er wolle nicht der Kandidat der PDS sein. Von der Partei hatte sich Berghofer Anfang 1990 losgesagt, und das wollte er nicht rückgängig gemacht sehen. Jetzt erklärt ihn die PDS zur unerwünschten Person. "Er soll sich zum Teufel scheren", sagt die Dresdner PDS-Frontfrau Christine Ostrowski. PDS-Landeschef Peter Porsch spricht von einer auf "Eitelkeiten gegründeten Kandidatur".

In einem offenen Brief verdächtigen die Bündnisgrünen Amtsinhaber Wagner, Berghofer einen Beratervertrag angeboten zu haben und fordern Aufklärung. Von der Staatskanzlei wird der Verdacht, Ministerpräsident Biedenkopf habe Berghofer gebeten, in Dresden anzutreten, um Wagner den Sieg doch noch zu ermöglichen, strikt zurückgewiesen. "Der Ministerpräsident müsste mit dem Klammersack gepudert sein", sagt Regierungssprecher Michael Sagurna.

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