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Dresden : Jetzt steht fest: Flüchtling Khaled I. wurde getötet

Jetzt steht es fest, was bislang als Vermutung im Raum stand. Der afrikanische Asylbewerber Khaled I., den man am Dienstagvormittag in einer Dresdner Plattenbausiedlung fand, ist durch Messerstiche getötet worden.

Anneke Müller
Flüchtling tot aufgefunden. Khalid I.
Flüchtling tot aufgefunden. Khalid I.Foto: Holm Helis/Dresdner Morgenpost

Jetzt steht es fest, was bislang als vage Vermutung im Raum stand! Der afrikanische Asylbewerber (20), den man am Dienstagvormittag in einer Dresdner Plattenbausiedlung fand, ist getötet worden.

Die Staatsanwaltschaft Dresden erklärte: "Die heutige Obduktion des am 13.01.2015 tot aufgefundenen 20jährigen aus Eritrea hat ergeben, dass er durch mehrere Messerstiche in den Hals- und Brustbereich zu Tode gekommen ist. Die Staatsanwaltschaft Dresden hat Ermittlungen wegen Totschlags aufgenommen."

Die Mordkommission der Dresdner Polizei wurde auf 25 Beamte aufgestockt. Die Ermittlungen konzentrieren sich auf Befragungen der Mitbewohner des 20-Jährigen. Kriminaltechniker haben die Spurensuche und –sicherung in der Wohnung, am Fundort und in dessen Umfeld aufgenommen. Eine mögliche Tatwaffe konnte bislang nicht sichergestellt werden. Zum Einsatz kommen auch Spezialhunde. Sie werden zur Absuche nach Spuren eingesetzt. Ziel ist dabei auch, ein Bewegungsbild des 20-Jährigen zu erstellen.

"Er wollte noch zu Netto zum Einkaufen“"

Fundort Johannes-Paul-Thilman-Straße: Khaled I. lebte hier im zweiten Stock eines Sechsgeschossers mit sieben weiteren Flüchtlingen in einer von der Stadt zugewiesenen Wohnung. Seine Freunde sahen ihn am Montagabend nach 20 Uhr zum letzten Mal. „Er wollte noch zu Netto zum Einkaufen“, so sagt einer seiner erschütterten Mitbewohner. Khaled kehrte nicht mehr zurück.

Am nächsten Morgen gegen 7.40 Uhr fand ein Anwohner die Leiche des jungen Mannes im Innenhof des Plattenbaublocks - die Leichenstarre war bereits eingetreten. Die Polizei überbrachte seinen Freunden die grausame Nachricht, sie stürzten in den Hof: „Wir sahen nur das Blut an seinem Hals und der Schulter, es sah schlimm aus“, sagt ein Mitbewohner in der Plattenbausiedlung, der, wie alle anderen Asylbewerber auch, aus Angst seinen Namen nicht nennen will.

Geblieben sind Blutflecken auf dem Plattenweg und ein paar Meter weiter im Gras. Anwohner, die vorbeigehen, wollen von dem Drama nichts bemerkt haben.

In der ersten Pressemitteilung der Polizei hieß es noch, dass es „bislang keinen Anhaltspunkten auf Fremdeinwirkung“ gebe. Erst auf die explizite Nachfrage, wie ein 20-Jähriger Mann denn plötzlich blutend tot umkippen kann, räumt Polizeipräsident Dieter Kroll (60) ein: „Aus den äußeren Merkmalen der Leiche ist nicht abzuleiten, was passiert ist. Es besteht ein Anfangsverdacht auf einen unnatürlichen Tod. Die Mordkommission ermittelt.“

Fassungslosigkeit bei Freunden und Mitbewohnern

Die Freunde von Khaled I. indes sind fassungslos, fühlen sich allein gelassen. Seit "Pegida" marschiert, ist vor allem montags ihre Unsicherheit groß: „Die Menschen hier begegnen uns feindlich, es spricht Hass aus ihren Augen, wir trauen uns nicht mehr nach draußen, wir brauchen Schutz.“

Ein Mitbewohner: „Khaled bringt das nicht zurück. Er war ein wunderbarer Mensch, hatte viele Ziele, wollte Deutsch lernen, arbeiten und in Frieden leben. Warum musste er nur so sterben?“

Die Dresdner Mordkommission sucht Zeugen, die Angaben zum Hergang der Tat machen können. Hinweise nimmt die Polizeidirektion Dresden unter der Rufnummer (0351) 483 22 33 entgegen.

Der Text erschien zuerst in der "Dresdner Morgenpost".

 

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