Dresden : Mordprozess im Fall Marwa soll Ende August beginnen

In Dresden rechnet man mit einem raschen Beginn des Prozesses gegen Alex W., der Marwa El-Sherbini zunächst beschimpft und beleidigt und sie schließlich vor den Augen ihres Mannes und ihres dreijährigen Sohnes im Gerichtssaal umgebracht hat.

Andrea Dernbach

Dresden - Der Ehemann der in Dresden getöteten Apothekerin Marwa El-Sherbini wird als Nebenkläger im Prozess gegen den Mann auftreten, der seine Frau am 1. Juli mit 18 Messerstichen umgebracht hat. Dies berichteten muslimische Vertreter, die Elwi Okaz am Donnerstag besucht hatten. Er wird derzeit in einer Rehaklinik bei Dresden behandelt. Als er versuchte, seine Frau zu schützen, war er selbst lebensgefährlich verletzt worden. Okaz will sich nach den Worten von Ahmed Aslaoui vom Islamischen Zentrum in Dresden und von Aiman Mazyek vom Zentralrat der Muslime in Deutschland zunächst auf seine Genesung konzentrieren und vorerst nicht selbst öffentlich äußern. Mazyek und Aslaoui hatten dem Witwer Kondolenz- und Solidaritätsschreiben, die seit der Tat vor acht Wochen eingegangen waren, in die Klinik gebracht . Okaz habe bemerkenswert besonnen, gelassen und standhaft gewirkt, sagte Aslaoui. „Er ist bereit zu kämpfen.“

In Dresden rechnet man unterdessen mit einem raschen Beginn des Prozesses gegen den 28-jährigen Alex W., der Marwa El-Sherbini zunächst beschimpft und beleidigt hatte und sie schließlich vor den Augen ihres Mannes und ihres dreijährigen Sohnes im Gerichtssaal umbrachte. Sachsens Polizeipräsident Bernd Merbitz habe ihm bei einem Vier-Augen-Gespräch versichert, dass „akribisch und schnell“ ermittelt werde, sagte Mazyek. Obwohl in einem solchen Verfahren normalerweise mit acht bis neun Monaten bis zur Hauptverhandlung gerechnet werden müsse, sei jetzt anzunehmen, dass die Anklageschrift bereits Ende August, spätestens Anfang September fertig sei: „Die Ermittlungen scheinen abgeschlossen zu sein“.

Der Sprecher des Dresdner Ausländerrats Nabil Yacoub begrüßte das Tempo der Behörden. Der Mord an El-Sherbini sei ein Hauptthema arabischer Medien, „leider bis hin zur Verbreitung falscher Nachrichten“. Die Behauptung, in Deutschland gebe es einen Nachrichtensperre zu dem Fall, habe er selbst im ägyptischen Fernsehen richtigstellen können. Aber auch dort „will man jetzt wissen: Was tut die deutsche Justiz und wie verhindert man weitere rassistische Überfälle?“ Andrea Dernbach

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