Dresden : Studiengebührenstreit überschattet Bildungsgipfel

Krach vor dem großen Bildungsgipfel: Aufgrund einer unveröffentlichten Studie zu den nachteiligen Auswirkungen von Studiengebühren steht Bildungsministerin Schavan noch immer in der Kritik. Ein weiteres Thema auf Schavans Bildungsagenda: Getrennter Unterricht von Jungen und Mädchen.

DresdenVor dem Bildungsgipfel von Bund und Ländern in Dresden verteidigte Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) die Einführung von Studiengebühren. Sie sagte dem "Hamburger Abendblatt" in einem Interview: "Die Beiträge zum Studium stärken die Weiterentwicklung der Hochschulen. So werden sie auch von den meisten Studierenden wahrgenommen." Studiengebühren seien auch international üblich, fügte Schavan hinzu. "Haushalte von Hochschulen können nicht nur gespeist werden aus Mitteln der öffentlichen Hand."

Der Streit um Studiengebühren hatte Anfang der Woche seinen Höhepunkt erreicht und so bereits im Vorfeld den Bildungsgipfel belastet: Mehrere SPD-Politiker griffen Schavan an und warfen ihr vor, eine Studie zur abschreckenden Wirkung der Beiträge zurückzuhalten. Der nordrhein-westfälische Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) warnte gar vor einem Scheitern des Gipfels durch die Auseinandersetzung.

Zwei Studien sollen als Gesamtpaket vorgestellt werden

Annette Schavan hingegen weist sämtliche Vorwürfe zurück. Zwei Studien im Auftrag des Bildungsministeriums zeigen aus ihrer Sicht, dass die Gebühren kaum vom Studium abschrecken. Außerdem sei in den Bundesländern, in denen Studiengebühren erhoben werden, die Zahl der Studienanfänger jetzt deutlich gestiegen. Die Ministerin nannte den Vorwurf der SPD, sie habe unliebsame Erkenntnisse über Studiengebühren unterdrückt, falsch und leicht durchschaubar. "Die SPD wusste, dass es zwei Studien gibt, die gemeinsam präsentiert werden. Das geschieht, sobald die zweite Studie fertiggestellt ist. Es gibt auch keinen Grund, angesichts der Ergebnisse die Studien zurückzuhalten."

Die Autoren der vom Bundesbildungsministerium bisher nicht veröffentlichten Studiengebühren-Studie bestätigten gleichwohl, dass vom Abiturientenjahrgang 2006 zwischen 6000 und 18.000 junge Menschen allein wegen der Gebühren auf ein Studium verzichtet haben. "Überdurchschnittlich ausgeprägt ist der Studienverzicht bei Frauen und jungen Menschen aus hochschulfernen Elternhäusern", heißt es in einer am Dienstagabend verbreiteten Erklärung des Hochschul-Informations- Systems (HIS) in Hannover, das die Studie im Auftrag des Bundesbildungsministeriums erstellt hat.

Schavan: Jungen und Mädchen getrennt unterrichten

Darüber hinaus wirbt die Bundesbildungsministerin vor dem Bildungsgipfel dafür, Jungen und Mädchen teilweise getrennt zu unterrichten. "In einzelnen Fächern in bestimmten Altersstufen kann getrennter Unterricht von Jungen und Mädchen durchaus sinnvoll sein. In manchen Bundesländern sehen die Schulgesetze diese Möglichkeit auch vor", sagte sie dem "Hamburger Abendblatt".

Zur Begründung sagte Schavan: "Wir haben Erfahrungen, dass im Bereich der Naturwissenschaften oder der Sprachen es nicht immer gelingt, Jungen und Mädchen in gleicher Weise anzusprechen. Ein Vorsprung der einen oder der anderen ergibt sich daraus, dass eine gewisse Schwellenangst da ist." Unterricht müsse "so angelegt sein, dass Jungen und Mädchen gleichermaßen Zugang finden. Wo getrennter Unterricht das besser leiste, kann man ihn vorziehen." (sba/dpa)

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben