Politik : Dresden wählt, Deutschland wartet

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Dresden/Berlin Zwei Tage vor der Nachwahl zum Bundestag in einem Teil Dresdens haben CDU und SPD noch einmal ihre Machtansprüche im Kampf um das Kanzleramt verteidigt. Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel und Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sprachen auf Kundgebungen in Sachsens Landeshauptstadt der Abstimmung Signalwirkung für den Fortgang der Sondierungsgespräche in Berlin zu. Mit den Veranstaltungen, zu denen nach Polizeiangaben jeweils 1500 Menschen kamen, setzten die beiden Parteien den Schlusspunkt unter ihren Wahlkampf.

„Rot-Grün ist abgewählt“, sagte Merkel. „Das ist schon vor der Nachwahl in Dresden sicher.“ Es sei zu hoffen, dass ihr Kontrahent Schröder dies nach der Wahl in Dresden auch einsehe. Mit einem guten Ergebnis für die Union bei der Nachwahl könne „ein letzter, ein starker Akzent gesetzt werden“, sagte Merkel mit Blick auf den knappen Ausgang der Wahl. Die Union habe vom Wähler den Auftrag erhalten, für Deutschland wieder etwas zu bewegen. Dresden könne am Sonntag einen weiteren Impuls geben.

Schröder erklärte, er wolle weiter an der Spitze der Regierung für die Erneuerung des Landes und für sozialen Zusammenhalt kämpfen. Mit ihm sei ein Kurs nicht zu machen, bei dem das Ökologische und Soziale „zu Schanden“ komme. „Eine Erneuerung nach dem Motto der deutschen Wirtschaftsverbände“ dürfe es nicht geben. Er wolle auch dafür sorgen, dass keine neuen „sozialen Barrieren“ in der Bildung errichtet werden. Wegen des Todes einer Direktkandidatin kurz vor der Wahl am 18. September wird im Wahlkreis 160 (Dresden I) am Sonntag nachträglich gewählt. Dazu sind 219 000 Bürger aufgerufen. Grundlegend kann das Votum am Kräfteverhältnis im künftigen Bundestag nichts mehr ändern.

In der Union werden kritische Stimmen zum eigenen Wahlkampf lauter. Der „Spiegel“ zitierte Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) mit den Worten: „Wir haben einen zu nüchternen, kühlen Wahlkampf geführt.“ Auch der Chef der CDU-Arbeitnehmerschaft, NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann, kritisierte: „Wir haben die Herzen der Menschen nicht erreicht.“dpa/bib

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