Politik : Dreßler rät der SPD zum Bündnis mit Lafontaine

Matthias Meisner

Berlin - Der frühere SPD-Sozialexperte Rudolf Dreßler hat seiner Partei dringend empfohlen, die Chancen für ein Bündnis links von Union und FDP zu sondieren. In einem Gastkommentar für das „Neue Deutschland“ schrieb Dreßler, dies müsste mit Blick auf die Wahl 2009 die „logische Konsequenz“ aus dem „erschreckenden Ansehensdefizit“ der SPD sein. „Diese mögliche Option, nicht nur formuliert, sondern offensiv vertreten und nach einem Erfolg ernsthaft angestrebt, würde sich grundsätzlich von der naiven Haltung nach der Wahl 2005 unterscheiden.“ Auch nach der vergangenen Bundestagswahl habe es eine linke Mehrheit gegeben und „die größte Partei dieser Mehrheit verschenkte sie bereits am Wahlabend – einfach so – an die CDU/CSU“. Resultat sei die „bitterste politische Niederlage der ehemaligen Volkspartei SPD“ gewesen: „Sie hatte nicht einmal die Option zur Opposition“.

Mit seinem Gastbeitrag heizt Dreßler Spekulationen an, wonach er zu einem Wechsel zu Oskar Lafontaines Linkspartei bereit sein könnte. Diese gibt es seit Frühjahr, als Dreßler schon einmal die Lage der SPD „katastrophal“ nannte. Damals beantwortete Dreßler die Frage nach einem Beitritt zur Linkspartei mit den Worten: „Entscheidend sind die kommenden Monate: Programmdebatte, weitere Arbeitsergebnisse als Koalitionspartner, Wahlprogramm. Man sollte niemals nie sagen.“ Die Übertritte von Lafontaine und Ulrich Maurer zur Linkspartei habe er als „logisch und konsequent“ angesehen, erklärte Dreßler.

Der 66-jährige Dreßler ist seit 1969 in der SPD, von 1980 bis 2000 saß er für sie im Bundestag, war zudem 16 Jahre lang Chef der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen. Jetzt schrieb er, „anfängliche Zweifel an der Gerechtigkeitskompetenz der SPD sind hunderttausendfacher Überzeugung gewichen, diese Partei habe die Grundsätze für ihre wichtigste Identität aufgegeben“. In Anlehnung an eine Äußerung von Herbert Wehner fügte Dreßler hinzu, seine Partei habe in der Wahrnehmung von ehemaligen Wählern und Mitgliedern „ihre Seele verkauft“. Matthias Meisner

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