''Dritte Generation'' : Die verschwundenen Terroristen der RAF

Immer noch per Haftbefehl gesucht: Die Mitglieder der dritten RAF-Generation - Krabbe, Staub, Klette und Garweg - sind auch neun Jahre nach der Auflösung der Gruppe wie vom Erdboden verschluckt.

Wolfgang Janisch[dpa]

KarlsruheVor neun Jahren hat sich die "Rote Armee Fraktion" aufgelöst, die meisten der Ex-Terroristen sind wieder auf freiem Fuß - und doch ist das Kapitel RAF noch nicht abgeschlossen. Vier RAF-Mitglieder werden noch per Haftbefehl gesucht. Von ihnen fehlt jede Spur.

Zum Beispiel Friederike Krabbe, geboren am 31. Mai 1950 im niedersächsischen Bad Bentheim. 1970 geht die Fabrikantentochter nach Heidelberg, studiert Pädagogik, Soziologie und Psychologie - und gerät über das "Sozialistische Patientenkollektiv" ins RAF-Umfeld. Wie ihre ältere Schwester Hanna, die wegen ihrer Teilnahme an dem Überfall auf die deutsche Botschaft in Stockholm im Juli 1977 zu lebenslanger Haft verurteilt wird.

Beteiligung an Schleyer-Entführung

Kurz darauf ist die kleine Schwester Friederike, gerade 27 Jahre alt, an der spektakulärsten aller RAF-Aktion beteiligt. Sie mietet ein Appartement in Köln-Junkersdorf, wenige Minuten von dem Ort entfernt, an dem ein RAF-Kommando einige Wochen später einen beispiellosen Kugelhagel entfachen, vier Menschen töten und den Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer entführen wird.

Zur Zeit des Anschlags soll Friederike Krabbe bereits in Amsterdam gewesen sein, und von der Ermordung Schleyers hört sie in Bagdad - dorthin hat sich der Teil der Gruppe abgesetzt, der im Entführungskommando nicht mehr benötigt wurde. Dort verhandelt Brigitte Mohnhaupt mit Palästinensern bereits über die Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut". Doch als die Aktion scheitert, trennt sich Krabbe von der RAF. Ihre Spur verliert sich.

Der RAF-Experte Butz Peters und der "Spiegel" berichten, nach Staatsschutzinformationen habe sie sich einer Terrorgruppe um den Bombenspezialisten Abu Ibrahim angeschlossen, den sie später geheiratet haben soll. Hoffnungen, sie nach dem Irak-Feldzug der Amerikaner 2003 in Abu Ibrahims Haus in Bagdads Villenviertel Al-Mansur anzutreffen, zerschlugen sich. Friederike Krabbe ist bis heute verschwunden.

Spur von Staub

Eine jüngere Spur gibt es dagegen von Ernst-Volker Staub und Daniela Klette, die der "dritten Generation" zugerechnet werden. 1999, ein Jahr nach der RAF-Auflösung, überfielen Unbekannte mit einer Panzerfaust einen Geldtransporter in Duisburg und erbeuteten mehr als eine Million Mark. In den weggeworfenen Gesichtsmasken finden sich DNA-Spuren - von Staub und Klette.

Staub soll sich 1983 der RAF angeschlossen haben, ein Jahr später wurde er festgenommen und zu vier Jahren Haft verurteilt. Nach seiner Entlassung taucht er ab, nur 1993 entdecken Ermittler seine Fingerspuren an einem Rucksack des bei seiner Festnahme in Bad Kleinen zu Tode gekommenen Wolfgang Grams.

Wie Staub und Klette, Jahrgang 1954 und 1958, heute aussehen könnten, ist auf der Homepage des Bundeskriminalamts zu besichtigen, wo ihre Porträts computertechnisch "gealtert" wurden. Neben ihnen ist Burkhard Garweg zu sehen, der ebenfalls an dem Duisburger Raubüberfall beteiligt gewesen sein soll. Auch er wird wegen RAF-Mitgliedschaft bis heute per Haftbefehl gesucht. Der Verdacht: Er soll bei der letzten RAF-Aktion dabei gewesen sein - beim Sprengstoffanschlag auf die Vollzugsanstalt Weiterstadt im Jahr 1993.

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